Vom Innenminister darf man mit Recht eine genaue Kenntnis der Interna des Staatslebens voraussetzen; der Bundesminister des Inneren, Dr. Lehr, verblüffte aber darüber hinaus, als Gast des Hamburger Übersee-Clubs sprechend, seine Hörer durch eine höchst intime Kenntnis interner Vorgänge bei der KPD ... Wir wissen nun, daß diese Partei für ihren Funktionärapparat und für Sonderaktionen im Monatsdurchschnitt etwa eine Million Mark ausgibt. Dr. Lehr sagte auch, wo die wahren Finanzquellen der Partei liegen: nämlich überwiegend im (illegalen) Interzonenhandel, im Kaffee- und Zigarettenschmuggel über die Westgrenze.

Angesichts dieser „Enthüllungen“: ist das, was Dr. Lehr sonst noch zu sagen hatte, in der Berichterstattung über seinen Vortrag ein wenig zu kurz weggekommen. Sehr zu Unrecht: denn dieser „Gang quer durch den Garten“ (oder, präziser gesagt: quer durch die ministerielle Agende...) zeigte nicht etwa bloße Routine-Arbeit, sondern die vielfältige Planung aktueller Aufgaben. So wurde klipp und klar ausgesprochen, daß der Bundeswirtschaftsrat jenen Kräften, „die neben der geschriebenen Verfassung ihren Raum beanspruchen“, als legales Betätigungsfeld dienen soll – ähnlich wie der Senat, also die „Zweite Kammer“, an deren Stelle in Bonn dann aber doch der von der Länder- und Parteibürokratie abhängige Bundesrat getreten ist. Als Organisationen, die im Bundeswirtschaftsrat mitwirken könnten, nannte der Minister („beispielsweise“) die Gewerkschaften, die Industrie- und Arbeitgeberverbände, den neuen Mittelstandsblock und den Bund der Steuerzahler, die Soldatenbünde, den Heimkehrerverband und den Bund vertriebener Deutscher. n. f.