Papst Pius XII. hat vor einigen Tagen abermals zu der Frage gesprochen, wie die katholischen Ärzte im Falle einer schwierigen Geburt vorzugehen haben, bei der das Leben der Mutter gefährdet ist. Zu diesem Thema hatte er sich am 29. Oktober in einer Rede vor katholischen Gynäkologen geäußert, worauf in den protestantischen Ländern und namentlich in England sehr lebhafte Diskussionen entstanden sind (siehe „Die Zeit“ vom 29. November, Leserbriefe). In seiner erneuten Stellungnahme bestätigte der Papst das unabänderliche Gesetz der römisch-katholischen Kirche, daß ein Menschenleben ebenso wertvoll ist wie ein anderes, und daß jeder direkte Angriff auf ein unschuldiges Menschenleben daher rechtswidrig ist, auch wenn er dem Zweck dient, ein anderes Leben zu retten. In Fällen einer schwierigen Geburt, in denen entweder das Leben der Mutter oder das des Kindes geopfert werden muß, so fuhr der Papst fort, ist es die Mutter, die zu entscheiden hat, ob sie wünscht, daß das Kind um den Preis ihres eigenen Lebens geboren wird.

Diese Erklärung geht beträchtlich über die Äußerungen des Papstes vom 29. Oktober hinaus, da sie der Mutter klar das Entscheidungsrecht einräumt. Beamte des Vatikans erklärten, daß die Oktober-Rede des Papstes infolge fehlerhafter Übersetzung in der Presse ungenau wiedergegeben worden sei. F.