Mayotte Capecia: Ein Mädchen von Martinique. (Hansa Verlag Josef Toth, Hamburg, 117 S., Leinen 6,80 DM.)

Ein Mädchen von Martinique hat sein bisheriges Leben gebeichtet. Nichts Besonderes widerfuhr ihm. Da dieses Mädchen Mayotte aber die erste farbige Frau der Antillen ist, die sich der Welt als Schriftstellerin vorstellt und für ihr schmales Erstlingswerk auch gleich zwei Preise einheimsen konnte, erwartet man nicht umsonst einen literarischen Bonbon. Sie kredenzt unbekümmert und unbewußt quellfrisch rousseausche Ideen, spricht graziöser als Hemingway vulgäre Dinge aus und versteht es, mit sachlicher Kühle das feinste seelische Filigran hinzuzaubern. In gleich zarter Verhaltenheit gibt sie Naturschilderungen ihrer Heimat. Doch all das wird Beiwerk, wenn Mayotte das Problem ihres Lebens zu meistern sucht –: ihre schwarze Hautfarbe. Als Kind verteidigte sie sie mit einem Tintenfaß, das sie über ihren gleichalterigen Widersachern ausgoß. Später war sie stolz auf ihre weiße Großmutter, hat dann einen weißen Liebhaber und bekommt einen weißen Sohn. Und obwohl sie der weiße Offizier verläßt, sein Kind sie zum Spott der Menschen ihrer Farbe macht, sie flucht der andern nicht, versteht die Schranken zwischen beiden und achtet alle Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß. Mayotte ist eine Frau, die den Instinkten ihres Geschlechtes noch unmittelbar nahesteht. Darum vermag sie so stolz den leidenden Part im Widerspiel zwischen Schwarz und Weiß auf sich zu nehmen. Dazwischen ist sie aber nach Paris gegangen und hat die Schwelle zwischen dem Naturzustand und der Zivilisation überschritten... h. schl.