Die in Kaesong geführten Gespräche über die Aufnahme der Waffenstillstandsverhand-Jungen haben am 10. Juli begonnen. Es dauerte sechzehn Tage, bis eine Einigung über die fünf Punkte umfassende Tagesordnung erzielt worden war:

„1. Annahme einer Tagesordnung. 2. Festlegen einer militärischen Demarkationslinie zwischen den beiden Seiten, um eine demilitarisierte Zone als eine Grundbedingung für die Beendigung der Feindseligkeiten in Korea zu schaffen. 3. Konkrete Maßnahmen für die Verwirklichung einer Feuereinstellung und eines Waffenstillstandes in Korea, einschließlich der Zusammensetzung, Vollmachten und Funktionen einer Überwachungsorganisation für die Durchführung der Bedingungen für eine Feuereinstellung und einen Waffenstillstand. 4. Abkommen über Kriegsgefangene. 5. Empfehlungen an die Regierungen der am Konflikt beteiligten Länder beider Seiten.“

Punkt 1 war damit erledigt. Die Verhandlungen über den Punkt 2 begannen am 17. Juli 1951. Kürzlich, am 27. November, erfolgte dann eine Einigung über die Festlegung einer Demarkationslinie, die für den Fall eines Waffenstillstands in Korea genau in der Mitte der vier Kilometer breiten neutralen Pufferzone zwischen den beiden Fronten verlaufen soll. Wie kam es zu dieser Front?

Als die Gespräche in Kaesong Anfang Juli begannen, war die Sommeroffensive der UNO-Truppen gerade angelaufen, die dann mit einer kurzen Unterbrechung in die Herbstoffensive überging. Ziel dieser Offensiven war die Herstellung einer Front, die nicht nur für eine Verteidigung besonders geeignet war, sondern auch eine günstige Ausgangsstellung für offensive Operationen bot, falls es zu keinem Waffenstillstand und nachfolgendem Frieden kommen sollte. Das Ziel wurde mit einem hohen Preis erkauft; allein die Verluste der US-Streitkräfte betrugen nach offiziellen Angaben 22 060 Mann, womit sich die amerikanischen Gesamtverluste in Korea auf 100 176 Mann erhöhten.

Als die Nachricht über die Demarkationslinie die Truppen an der Front erreichte, war es daher nicht zu verwundern, daß auf beiden Seiten das Feuer erstarb. Hatte doch sogar der Oberbefehlshaber der 8. US-Armee, General van Fleet, einen Befehl herausgegeben, der dahinlebend ausgelegt werden konnte, daß offensive Aktionen unterbleiben sollten. Inzwischen hat nun jedoch der General unter dem Druck Washingtons „die Möglichkeit einer falschen Auslegung seines Befehls abgestellt“. Es wird also weitergeschossen, und zwar so lange, bis über die Punkte 3 bis 5 der Tagesordnung für die Waffenstillstandsverhandlungen eine Einigung erzielt worden ist. Die Chancen sind gering. Ernst Krüger