Schade, daß man der Autorin Renate Uhl ihr gutes Herz vorhalten muß. Denn dies verführt sie in ihren Dialogen zu mancher Plattheit und Sentimentalität: so war es in ihrem ersten Nachkriegsdrama „Um den Menschen wird noch gekämpft“, so ist’s wieder in ihrer weit anspruchsloseren Komödie „Penny“, uraufgeführt vom Jungen Theater in Hamburg.

Ein amerikanischer Manager bekommt die unvermeidliche Neurose und fällt amerikanischen Psychologen in die Hände. Das ist freilich schlimm, aber Gott sei Dank gibt es im Sanatorium eine Organistin, die dort allerdings nicht musiziert, sondern Staub wischt. (Sie ist aus Gutherzigkeit für eine Putzfrau eingesprungen, die ein Kind bekommt.) Aus lauter Gutherzigkeit kocht sie auch dem Manager Königsberger Klopse, was in beiden wehmütige Erinnerungen an deutsche Großväter hervorruft. Kurz: der Manager engagiert die Putzfrau-Organistin, die sich nun gegen dessen Familie (zwei ausgewachsene Flegel: die Kinder, eine aufgedonnerte Schwägerin und natürlich eine Geliebte, ein Biest von einer Frau) durchsetzt, den Manager heiratet und ihn der dankbaren Welt erhält. Wie bieder und ohne Charme ist das gemacht! Das ist wirklich (die Autorin möge uns verzeihen, man hat bei ihr immer das Gefühl, man tut ihr unrecht, weil sie es doch wirklich so herzensgut meint) wie der kleine Moritz sich einen Manager, Amerika, eine böse Geliebte, die Psychologie und überhaupt die Welt vorstellt.

Im Jungen Theater (eine Neugründung und deshalb eine tollkühne Tat) verstanden es Georg Eilert als Manager und Carsta Löck als Penny den dünnen Dialog durch Charme, Herzlichkeit und angenehme Routine über Wasser zu halten.

H.