Im Wiederaufbau der Berliner Industriebetriebe nimmt die Borsig AG, Berlin-Tegel, eine Sonderstellung ein. Nach 75prozentiger Zerstörung und vollständiger Demontage 1945 hatte sie die Betriebseinrichtungen bis 1947 unter schwierigsten Verhältnissen teilweise wieder aufgebaut, als eine Stillegung mit nochmaliger Teildemontage bis zum Frühjahr 1950 verfügt wurde. Der Wiederaufbau seit dem 1. April 1950 ist mit ungewöhnlicher Energie und großem Erfolg vollzogen worden. Aufträge auf Großmaschinen aller Art werden aus dem Inland und Ausland mit verhältnismäßig kurzen Lieferfristen ausgeführt. Die neue Produktion beschränkt sich nicht auf die alten Erzeugnisse wie Dampfkraftanlagen, Dampfkessel und Feuerungen, Dampfmaschinen und Dampfturbinen, Hochdruckrohrleitungen und Spezialarmaturen, Pumpen, Kälteanlagen, Ölgewinnungs- und Veredelungsanlagen, Guß- und Schmiedestücke. Vor kurzem wurde vielmehr auf Grund eines Lizenzvertrages mit der Fiat, Turin, auch mit der Herstellung von Großdieselmotoren mit bis zu 13 500 PS begonnen, die auch mit Schweröl befeuert werden können, das um 25 bis 30 v. H. billiger ist als Dieselöl.

Die besondere Leistungsfähigkeit der 114 Jahre alten Borsig-Werke beruht vor allem darauf, daß es das einzige Werk in Deutschland ist, das eine eigene Materialgrundlage hat. Der Betrieb verfügt nämlich über zwei Siemens-Martin-Öfen mit einer täglichen Stahlleistung von 150 t (Schrott zur Beschickung ist in Berlin und auch auf dem Borsiggelände noch reichlich vorhanden); ein Elektroofen wird demnächst in Betrieb genommen. Die Borsig-Werke haben ferner eine eigene Eisen- und Metallgießerei, eine der größten Kesselschmieden in Deutschland und ein eigenes Kraftwerk. In Zeiten der beschränkten Zulieferungen aus fremden Produktionsstätten sind diese werkseigenen Materialgrundlagen von unschätzbarem Wert.

In den ersten elf Monaten von 1951 wurden etwa 14 000 t Fertigungen von Borsig nach Westdeutschland oder dem Ausland expediert (übrigens ohne daß auch nur ein Stück im Transit durch die Sowjetzone oder an der Zonengrenze beschlagnahmt wurde oder sonst verloren ging). 46 v. H. der Produktion gingen ins Ausland, während am Absatz der übrigen 654 v. H. Westdeutschland und Berlin in etwa gleicher Höhe beteiligt sind. Borsig beschäftigt heute rund 3000 Personen und damit erst die Hälfte der Vorkriegsbelegschaft. Der Ausbau geht jedoch unentwegt weiter, und man kann von Borsig neue wertvolle Leistungen für Berlin und Deutschland wie für das Ausland erwarten. E. Sa.