Die wirtschaftlichen Probleme Westberlins sind nur verständlich, wenn man zwei grundlegende Tatsachen berücksichtigt: den Verlust der Einnahmen aus Dienstleistungen, von denen Berlin zum großen Teil lebte, als es die Hauptstadt Deutschlands war, und die fast vollständige Zerstörung der Industrie durch den Krieg und die Ausräumung der Betriebe, aus denen die Rote Armee alles herausholte, was irgendwie Wert hatte. Da sich die große Lücke, die durch den Verlust der Erträge aus Dienstleistungen entstanden ist, nur schließen läßt, wenn Berlin wieder Hauptstadt wird, ist Westberlin mit seinen 2,15 Millionen Einwohnern in erster Linie auf die Leistung seiner Industrie angewiesen. Die Industrie muß die Arbeitsplätze bereitstellen, die Westmark und die Devisen verdienen, die gebraucht werden, damit die Millionenstadt arbeiten und leben kann.

So erklärt sich die Konzentration aller Kräfte auf – den Wiederaufbau der Industriebetriebe. Als die Berliner Firmen nicht liefern konnten, weil sie ihre leeren Fabrikhallen erst behelfsmäßig einrichten und dann dem Versuch des Ostens, Westberlin durch die Blockade zu erobern, widerstehen mußten, entstanden in Westdeutschland Kapazitäten, die Berliner Spezialitäten herstellen, eine Entwicklung, die zeitweise durch eine Abwanderung solcher Firmen verstärkt wurde, die glaubten, sie seien nicht an den Berliner Standort gebunden. Damit mußte die Westberliner Industrie rechnen, als sie im Frühjahr 1950 die ersten ERP-Kredite erhielt und das Tempo des Wiederaufbaus beschleunigen konnte. Man war sich darüber klar, daß es wenig Sinn haben würde, eine vollständige Wiederherstellung des alten Zustandes zu erstreben, es vielmehr erforderlich sei, die Entstehung von Überkapazitäten in dem Wirtschaftsgebiet Westdeutschland-Westberlin zu vermeiden. Daraus ergab sich die Erkenntnis, zugleich mit dem Wiederaufbau eine Strukturwandlung der Industrie Westberlins einzuleiten und solche Produktionsgebiete, auf die verzichtet werden muß, durch andere Fertigungen zu ersetzen, also die Produktionsstruktur zu verbreitern. Der sogenannte Longterm-Plan, der für die Investitionen in Westberlin aufgestellt worden ist und sich weitgehend auf die Finanzierung mit ERP-Kredite% stützt, versucht ebenfalls, diese Aufgabe zu lösen.

Lieferwerte Prod.-Index

Okt. 1951 Beschäftigte Index

Mill. DM 1936 = 100

Gesamte Industrie 239,8 170 035 46

davon: