In der Nachkriegszeit lag das Berliner Kreditwesen zunächst in den Händen des Berliner Stadtkontors, der Städtischen Sparkasse und der Berliner Volksbank eGmbH. Erst ab Mitte 1949 wurden Neugründungen zugelassen. An Aufschwung der Berliner Wirtschaft nach Überwindung der ersten Nachwirkungen der Blockade hatten die neuen Kreditinstitute dann hervorragenden Anteil. Das Gewicht des Einlagen- und Kreditgeschäfts liegt aber auch heute noch bei der aus dem Berliner Stadtkontor hervorgegangenen Berliner Bank AG., deren Aktienkapital von 10 Mill. DM voll.im Besitz des Berliner Senats ist und die ihr Depositenkassennetz bereits auf 40 Stellen erweiterte.

Unter den neuen Aktienbanken, den Nachfolgeinstituten der ehemaligen Filialgroßbanken, steht die Bank für Handel und Industrie AG. (ehemals Dresdner Bank) hinsichtlich des Geschäftsumfanges an der Spitze. Es folgen die Berliner Disconto-Bank AG. (Deutsche Bank) und die Bankgesellschaft Berlin AG. (Commerzbank AG.). Heute hat Berlin 24 Kreditinstitute. Es sind vornehmlich Privatbankiers, aber auch einige Spezialbanken, wie die Berliner Industriebank AG., in deren Händen hauptsächlich die Weiterleitung der ERP-Kredite liegt.

Die Summe der kurzfristigen Kredite der Berliner Institute hatte Ende Oktober die 500-Mill.-Grenze überschritten. Diese Entwicklung wurde nicht nur durch die reguläre Rücklagenbildung ermöglicht, sondern noch mehr durch die Aufwertung der Uraltkonten aus der Zeit vor dem 8. Mai 1945, die in Westberlin Anfang 1950 einsetzte und noch nicht abgeschlossen ist. Die Kreditausweitung im laufenden Jahr ist außerdem der stärkeren Benutzung des Wechsels als Kreditinstrument zu danken. Die Zuleitung der der Berliner Wirtschaft zugedachten GARIOA-Mittel an die Berliner Zentralbank versetzte dieses Institut in die Lage, durch erhöhte Ankäufe von Ausgleichsforderungen die Liquidität und damit die Kreditkraft der Berliner Banken zu verbessern.

Als Paradoxon erscheint allerdings die Zinspolitik. Die Zinsen liegen nämlich teilweise immer noch um 1 bis 1 1/4 v. H. niedriger als im Bundesgebiet. Die Risiken in Berlin sind etwa ebenso groß wie in Westdeutschland, diese Differenz erscheint daher wenigstens für die privaten Banckredite ungerechtfertigt, zumal der offizielle Wechseldiskont dem der BdL angeglichen worden ist. Die Zinsmarge der Berliner Kreditinstitute ist daher unzureichend. Immerhin haben die Berliner Nachfolgeinstitute in dem jetzt ablaufenden Jahr durchweg rentabel arbeiten können. Dazu hat auch die Entwicklung. des Effektengeschäfts beigetragen. Es wird mit einer verstärkten Fortsetzung gerechnet, da man im Januar die Berliner Börse wieder eröffnet. E. S.