Einige Äußerungen, die der stellvertretende amerikanische Hohe Kommissar Buttenwieser vor seiner Heimkehr nach Amerika gegenüber dem Vertreter der New York Times gemacht hat, deuten darauf hin, daß dieser Beamte der amerikanischen Hohen Kommission, der seit September 1945 in Deutschland war, sich von uns ebenso leicht trennt wie wir von ihm. Ihm hat hier nichts gefallen, nicht die harte Arbeit, mit der die Deutschen ihre zerbombte und demontierte Wirtschaft wieder in Gang gebracht haben, und nicht die Loyalität, mit der sie sich den früheren Gegnern zur europäischen Integration und zur gemeinsamen Verteidigung zur Verfügung stellen. Die Wirtschafts- und Steuerpolitik der Bundesregierung findet er rückschrittlich, und die Gewerkschaften sind ihm nicht fortschrittlich genug, die Währungsreform hat nur die Reichen begünstigt, und in diesem Tone geht es fort. Gegen all das ließen sich genug Argumente anführen. Die Währungsreform etwa ist nicht von den Deutschen, sondern von Buttenwiesers amerikanischen Mitarbeitern gemacht worden, die Steuerpolitik ist in erster Linie durch die Besatzungskosten und durch die Soziallasten erzwungen. Diese Soziallasten wiederum sind deshalb so hoch, weil Millionen Deutsche unter Zustimmung der westlichen Besatzungsmächte aus den Ostgebieten vertrieben wurden. Daß die Einkommen- und Lohnsteuertabelle in Deutschland weiter unten anfängt als in Amerika, erklärt sich daraus, daß wir die breite Schicht der hohen Einkommen gar nicht haben, als der das Steueraufkommen in den USA fließt, und wenn Buttenwieser mit seiner Kritik an der Steuerpolitik darauf anspielen will, daß in Deutschland zuviel Steuern hinterzogen werden, so mag zugegeben werden, daß das amerikanische Aufbringungssystem wirksamer, wenn auch nicht moralischer ist, wie die Entlassung zahlreicher hoher Beamter des USA-Finanzministeriums, die in den letzten Wochen ihren Dienst wegen Korruption quittieren mußten, beweist.

Vielleicht hat Herr Buttenwieser seine Interviews hauptsächlich für den amerikanischen Hausgebrauch gegeben. Allein solche Äußerungen werden auch in Deutschland gelesen, und ihre Ungerechtigkeit verletzt viele, die aufrichtig bereit sind, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten. H. A.