Als die Lustspieldichter noch Humor hatten, brauchten sie nicht ins Narrenhaus zu gehen, um Narren zu finden. John Patrick hingegen, Autor der amerikanischen „Erfolgskomödie“ Eine etwas sonderbare Dame, bewegt sich vier Akte lang in einer solchen Anstalt (in Amerika ist es nachgerade Mode geworden, daß jeder Tunichtgut seelisch erkrankten Menschen in die Herzen sehen darf, um nachher aus dem, gesammelten Stoff Filme, Bücher und nun sogar Witze anzufertigen). In ein Nervensanatorium gerät eine reiche Millionärswitwe. Die lieben Kinder haben sie eingeliefert, weil die Mutter das Vermögen, anstatt es ihnen auszuzahlen, zu einer Stiftung verwerten will. – So kommt denn die etwas sonderbare Dame mit blaugefärbten Haaren und einem Teddybären mit einem halben Dutzend armer Menschen zusammen, deren Defekte dem Autor zu herrlichen Gags und dem geschmacklosen Teil des Publikums zu lautem Gelächter verhelfen. Schließlich steigert sich das Geschmacklose zum Unverschämten: der Autor erteilt „humorvolle“ Belehrungen über die Nächstenliebe. – Das Schlußbild: alle Kranken bringen der wieder abreisenden Millionärin (Grethe Weiser) Geschenke, sie aber schenkt ihnen gerührt ihren Teddybär (Regie: Ida Ehre).

Die Hamburger Kammerspiele haben nach dem Krieg zu Deutschlands, besten Theatern gezählt. Jedermann weiß, daß die Leiterin Ida Ehre heute mit ihrem privaten Unternehmen große Sorgen hat. Wer sollte deswegen etwas dagegen haben, wenn auf dem Spielplan des Theaters nicht nur Problem-, sondern auch leichte, ja Klamaukstücke erscheinen? Aber die Grenze des Geschmacks möchte man doch von einer Theaterleiterin gewahrt wissen, die sich in ihrem Programmheft wie die große Neuberin als „Prinzipalin“ betiteln läßt-, P. Hühnerfeld