Die inzwischen eingestellten Geheimbesprechungen im Unterausschuß der UNO-Vollversammlung zur Ausarbeitung eines Kompromisses zwischen den verschiedenen Abrüstungsvorschlägen der Westmächte und der Sowjetunion haben zu keinem definitiven Erfolg geführt. Man einigte sich lediglich über die Einsetzung einer Abrüstungskommission, die im kommenden, Frühjahr zusammentreten und von neuem versuchen soll, die verschiedenen Vorschläge aufeinander abzustimmen. Die Vollversammlung hat den Antrag des sowjetischen Blocks, das kommunistische China an Stelle Nationalchinas zu den Vereinten Nationen zuzulassen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Chile und Pakistan wurden zu neuen, nichtständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates gewählt. Ekuador und Indien schieden dafür aus. Für die Besetzung des ebenfalls freiwerdenden jugoslawischen Sitzes ergab sich keine Zweidrittel-Mehrheit. Zwei Delegationen der Bundesrepublik und der Sowjetzone, die auf Einladung der Vollversammlung zu den Möglichkeiten einer gesamtdeutschen Wahl Stellung nehmen sollen, sind in Paris eingetroffen.

Die Beratende Versammlung des Europa-Rates in Straßburg hat ihre Tagung beendet. Eine zweitägige Besprechung über die Europa-Armee zwischen den Außenministern der sechs Plevenplan-Staaten schloß sich an. In einem Presseinterview erklärte Staatssekretär Hallstein in Straßburg, daß die ersten deutschen Einheiten für die Europa-Armee voraussichtlich im kommenden Frühjahr aufgestellt werden könnten. Das Statut solle bereits im Januar von den Außenministern der sechs Teilnehmerstaaten unterzeichnet werden. Mit seinem Inkrafttreten sei automatisch die Aufstellung von zwölf deutschen Divisionen, einer taktischen Luftwaffe und einer kleinen Kriegsmarine verbunden. Hallstein erklärte abschließend, die Bundesregierung wolle auf keinen Fall eine Nationalarmee.

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In der französischen Nationalversammlung hat Ministerpräsident René Pleven die Ratifizierung des Schuman-Planes zum Anlaß genommen, die Vertrauensfrage zu stellen.

Der Erzbischof von Agram, Alois Stepinac, der wegen Zusammenarbeit mit den Achsenmächten zu sechzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist nach fünfjähriger Haft in seinen Heimatort, einem Dorf in der Nähe von Agram, entlassen worden. Die amtliche jugoslawische Nachrichtenagentur sprach von „bedingter“ Freilassung des „ehemaligen“ Erzbischof von Agram. Der Vatikan forderte von der jugoslawischen Regierung die Wiedereinsetzung Stepinacs in alle seine Rechte und die -Anerkennung seiner Unschuld.

In dem größten verstaatlichten Betrieb Österreichs, den Vereinigten Stahlwerken in Linz, den früheren Hermann-Göring-Werken, konnten die Kommunisten bei den Betriebsratswahlen ihre Stimmenzahl mehr als verdreifachen.

Zum neuen amerikanischen Botschafter in der Türkei ernannte Präsident Truman den bisherigen Staatssekretär für den Nahen Osten und Südasien, George McGhee. Der bisherige Botschafter Wadsworth hatte um seinen Rücktritt nachgesucht.