RKN. Zürich, im Dezember

Die anhaltende Holzverknappung und die entsprechend haussierenden Holzpreise haben in der Schweiz seit langem dazu geführt, daß man sich experimentell um die Herstellung eines Holzersatzstoffes bemüht hat. Kürzlich gab die Firma Paul Harder in Wil (St. Gallen) Vertretern der Auslandspresse Einblick in die Produktion von Curvi-Board, einem neuen Werkstoff, der durchaus geeignet ist, Holz zu ersetzen. Bereits in diesen Wochen läuft die Großproduktion, nach Lizenzen der Firma, in Frankreich und Kanada an. Das Verfahren ist in vierzig Ländern patentrechtlich geschützt, und das Interesse besonders jener Staaten, deren Wiederaufbau durch Holzmangel gehemmt wird, ist bedeutend. Nach dem neuen Verfahren wird zwischen zwei Furnierplatten eine mittels Kunstharz und Ammoniak gebundene Füllmasse in einen Holzrahmen unter zehn atü Druck gepreßt, damit ist eine als Kunstzehn verwendbare Platte fertig. Ihre chemischen, physikalischen und thermischen Eigenschaften entsprechen ungefähr denen des Naturholzes; sie ist bearbeitbar wie dieses, gegen Feuer und Wasser jedoch wesentlich widerstandsfähiger. Als Füllmasse eignet sich praktisch jedes Abfallprodukt der Land- und Forstwirtschaft, also Sägespäne, Spreu, Häcksel, Torf, Flachs-, Baumwoll- und Kaffeeabfälle. Die Materialkosten sind in der Schweiz um gut 50 v. H. geringer als die Kosten von Naturholz; der Arbeitsprozeß um so viel einfacher, daß die Lohnquote bei manchen Produkten um 90 v. H. tiefer liegt. Eine Tür, die in Naturholz und in Serienfabrikation in der Schweiz sechzehn Stunden Arbeit verlangt, wird, in Curvi-Board in weit kürzerer Zeit hergestellt. Möbel aus diesem Holzersatz stellen sich in der Schweiz um die Hälfte billiger als die billigsten Hartholzmöbel. Und die Kostenersparnis bei einfacheren Stücken ist noch wesentlich größer.

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Als Holzfaserplatten erstmals auf den deutschen Markt kamen, wurden sie vom Publikum wie ein „Ersatz“ und von Bauleuten wie ein „minderwertiger“ Baustoff von der Seite angesehen. Seitdem aber sind drei Jahrzehnte vergangen. Längst haben die Platten ihren Siegeslauf angetreten und den Anstoß zu einer vielseitigen Plattenindustrie gegeben, deren Erzeugnisse dem modernen Wohnungsbau unschätzbare Dienste leisten. Die Vorzüge dieser Bauplatten sind sehr real: die Wohnung ist im Winter wärmer, im Sommer angenehm kühl. Das wurde im Ausland schon vor Jahren erkannt. Der technische Beratungsdienst im Verband der deutschen Faserplattenindustrie (Frankfurt/M–Süd, Passavantstr. 25) hat errechnet, daß in Schweden 19, in Norwegen 12, in den USA 5, in Finnland 4 und in Australien 3 kg Faserplatten je Jahr und Kopf der Bevölkerung verbraucht werden. In Deutschland dagegen beträgt der Verbrauch an Holzfaserplatten noch nicht einmal 2 kg. Aber die Aussichten sind erfreulich: ihre Verwendung bewegt sich in Deutschland in steigender Linie, zumal sie sich im gesamten Bauwesen, bei der Herstellung von Türen und Möbeln, im Schiff- und Waggonbau und als Wand- und Deckenverkleidungen mehr und mehr durchsetzen. Auch der Export steigt laufend. -zke.