Staatsbesuche pflegen im allgemeinen „im Geiste freundschaftlichen Einvernehmens“, wie es so schön heißt, zu verlaufen. Der Besuch aber des Bundeskanzlers in London ist, nach der Reaktion der britischen Presse zu urteilen, ein voller Erfolg gewesen. Das stand im vorhinein keineswegs fest. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir vor die Vergangenheit einen Vorhang gezogen und verhältnismäßig unbekümmert ein neues Leben angefangen halben, vermag das Ausland nämlich’ nicht zu teilen. Für „die anderen“ ist der Begriff Deutschland mit vielen unheilvollen Erinnerungen verbunden – nicht erst seit Hitler. Vieles empfinden sie als typisch deutsch, was uns Zufall oder Irrtum zu sein scheint.

Dem Kanzler ist es offenbar gelungen, wirklich ein neues Vertrauen zu Deutschland zu erwecken. Er hat keine Forderungen gestellt, war frei von jeglichem Ressentiment und wußte genau jenen Ton zwischen Bescheidenheit und Würde zu treffen, den seine Landsleute leider so oft verpassen. Wo immer er gesprochen oder diskutiert hat, blieb dieser Eindruck zurück. Für die englische Öffentlichkeit aber war die Tatsache, daß der König den deutschen Kanzler empfing, der Beweis dafür, daß das neue Deutschland akzeptiert ist und man nicht mehr über die Vergangenheit hadern, sondern gemeinsam die Zukunft gestalten wird.

Nicht anders war es in Straßburg. Mit großer Eindringlichkeit, hat der Kanzler in seiner großen Straßburger Rede die müde Versammlung bedenkenvoller Europäer: gemahnt „sich endlich aufzuraffen“ weil die Gunst der geschichtlichen Stunde nicht wiederkehret Auch hier war die Resonanz. Vertrauen, ja sogar ein neuer Elan. D.