Thailands Ministerpräsident und „starker Mann“, Marschall Pibul Songgram, fühlte sich anscheinend nicht stark genug, um allen nachteiligen Folgen erfolgreich zu begegnen, die sich aus der Rückkehr seines jungen Königs Rama IX. aus der Schweiz nach Bangkok ergeben konnten. Der König war immerhin der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht. Er war also der direkte Vorgesetzte des Marschalls. Und schließlich gab es ja auch noch eine demokratische Verfassung aus dem Jahre 1948 mit einem vom Volk gewählten Parlament. Oft genug hatte sich zwar bisher der Ministerpräsident aus eigener Machtvollkommenheit über den Willen der unbequemen Volksvertreter hinweggesetzt und zu diktatorischen Maßnahmen gegriffen, für die er als Kollaborateur Nummer eins bei der einstigen japanischen Besatzungsmacht die notwendigen Erfahrungen gesammelt hatte. – Jetzt aber mußte Pibul damit rechnen, daß der zurückkehrende König, der den Eid auf die Verfassung geleistet hatte, sich mit einem gegen die Verfassung handelnden Ministerpräsidenten nicht einverstanden erklären würde.

Um diese „drohenden Gefahren“ zu beseitigen, kam der alte Verschwörer auf den naheliegenden Gedanken, im Hintergrund wieder einmal einen Putsch zu inszenieren. So kam es, daß die Führer der in Thailand allmächtigen Polizei, des Heeres und der Luftwaffe – die Marine war nach ihrer mißglückten Juli-Revolte gegen Marschall Pibul kurzerhand aufgelöst und dem Heere unterstellt worden – drei Tage vor der Ankunft des Königs „spontan“ und unblutig die „unfähige“ Regierung stürzten. Die Putschisten bildeten einen „Provisorischen Nationalen Exekutivrat“, der den Stellvertreter des Königs, den schwächlichen Regenten Prinz Dhani absetzte, die autoritäre Verfassung vom Jahre 1932 wieder einführte und ein neues Kabinett aus der Mehrzahl der bisherigen angeblich unfähigen Minister – und wieder unter Marschall Pibul als Ministerpräsident – einsetzte. Gleichzeitig wurde das Parlament aufgelöst und gemäß der Verfassung von 1932 eine „Nationalversammlung“ als Einkammerparlament gebildet. Die Ernennung der Abgeordneten dieses „Parlaments“ erfolgte auf folgende Weise: Die zur Sanktionierung der Regierungsmaßnahmen erforderliche Dreiviertel-Mehrheit wurde durch .Abkommandierung einer entsprechenden Zahl von Offizieren sichergestellt. Dann sprach die Nationalversammlung in einer Sitzung von 40 Minuten Dauer der Regierung das Vertrauen aus. Als erste Handlung erfolgte schließlich Übernahme der Regentschaft durch das Kabinett; das war deshalb wichtig, weil das Kabinett nunmehr in seiner Eigenschaft als Regent die königliche Zustimmung zu den Handlungen der Verschwörer geben und den Putsch nachträglich legalisieren konnte.

Vor diese Situation sah sich der König gestellt, als er am 2. Dezember in der Pibul verhaßten Uniform eines Admirals der Thailändischen Marine in Bangkok an Land, ging, mit unbeweglichem Gesicht die Begrüßungsansprachen der Würdenträger über sich ergehen ließ und ebenso ernst durch das Spalier von Hunderttausenden seiner Untertanen zum königlichen Palast fuhr. Bei dem anschließenden Vortrag des Ministerpräsidenten über die jüngsten politischen Ereignisse versicherte Pibul, „daß er Seiner Majestät die Vollmachten wieder übergebe, die er als zeitweiliger Chef der Regentschaft gehabt habe“. Er konnte dies leichten Herzens tun, denn als Ministerpräsident einer sich auf die Verfassung von 1932 stützenden autoritären Regierung besitzt er auch ohne diese Vollmachten die Macht im Staate, die ihm selbst Raum IX. nicht nehmen kann, solange Pibul die Kräfte hinter sich hat, die er als Werkzeuge für seinen operettenhaften Putsch benutzte. Ernst Krüger