Die jüngsten Abschlüsse der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG, Essen, spiegeln in Bilanz und Produktionsentwicklung den kräftigen Aufschwung der westdeutschen Wirtschaft wider. Statt der „normalen“ jährlichen Zuwachsrate im Stromverbrauch von 8 bis 10 v. H. hatte der Konzern in den vergangenen drei Jahren nämlich jährliche Zugänge von 25, 16 und 23,5 v. H., so daß sich jetzt auf 2,297 Mill. installierter kW-Leistung (etwa 20 v. H. der Leistung im Bundesgebiet) ein Jahresverkauf von 10,58 Mrd. Kilowattstunden aufbaut. Dies bringt eine Roheinnahme von mehr als 0,5 Mrd. DM ein.

Ein solcher Umsatz, der einem zweimaligen Kapitalumschlag (AK 246 Mill. DM) entspricht, müßte eigentlich die Ausschüttung einer Dividende. in der früheren RWE-Standardhöhe von 6 v. H. ermöglichen. Er hat aber nach der Bilanz nur zu einem offenen Gewinn von rund 5.4 DM geführt, also von etwa 1 v. H. des Einsatzes, woraus. 2 v. H. Dividende ausgeschüttet werden sollen. Die RWE meint nun, daß eine nicht unbeträchtliche „Kostenunterdeckung“ in der Stromwirtschaft vorliege und der „künstlich niedriggehaltene Strompreis zu unhaltbaren Zuständen führt“. Die Verwaltung knüpft daran die Bemerkung, daß von Regierungsseite dieser Preisstop „durchgreifend überprüft“ werden müsse.

Wir können uns dieser Auffassung keineswegs anschließen. Das Rütteln an derartig wichtigen Eckpreisen, wie es Strom ohne Zweifel darstellt, muß zunächst zurückgestellt werden. Wir halten eine Dividende von 2 v. H. zwar auch nicht für ein gutes Ergebnis, aber keinesfalls für einen „unhaltbaren Zustand“. Schon deswegen nicht, weil ja der ausgewiesene Gewinn in Wirklichkeit wesentlich höher liegt. Die Dividende erfordert 4,5 Mill. DM. Allein für steuerlich zugelassene Sonderabschreibungen wurden 200 v. H. dieser Summe, nämlich 9 Mill. DM, bei rd. 75 Mill. DM Gesamtabschreibungen ausgebucht und die Sozialfonds mit 4,2 Mill. DM versorgt. Diese 4,2 Mill. sollen ja „freiwillige Sozialleistungen der Unternehmer“ sein und nicht Kostenelemente, die auf den Preis, sprich Verbraucher, abgewälzt werden. Wenn also der eigentliche Reingewinn der Aktionäre um solche großen Posten wie Sonderabschreibungen (sprich Substanzgewinn) und Pensionsfonds u.ä. (sprich betrieblicher Sozialgewinn) erleichtert wird, so möchten wir darin sogar eine gesunde Verteilung des Ertrages sehen. Ertragsrechnung und Bilanz geben zudem an keiner Stelle; einen wirklichen Anhalt, daß die Kostenentwicklung gefährliche Züge annimmt. Wir meinen vielmehr, daß die unvermuteten Verkaufszugänge recht günstige Auswirkungen auf die Kostendegression gehabt, haben. Wenn das trotzdem. nicht ausreicht, eine 5- oder 6prozentige Dividende auszuschütten, dann dürfte der Grund woanders zu suchen sein.

Auch diese RWE-Bilanz beweist nämlich, daß es bei der (volkswirtschaftlich erfreulich) gehaltenen Preisbasis für Energie (118 v. H. vom 1. Januar 1948 gegen 247 v. H. bei Kohle und 166 v. H. bei Löhnen) nicht mehr möglich ist, eine normale Kapital Verzinsung herauszuholen, weil ein Unternehmen wie RWE vorher erst das (Fünffache des Dividendenbetrages erwirtschaften müßte, um ein Fünftel zahlen zu können. Der größte Dividendenschlucker ist der Fiskus, der sich 80 v. H. des Reingewinnes vorbehält. Das heißt bei den Zahlen von RWE, das Unternehmen muß, wenn es 4 v. H. Dividende zahlen will, knapp 2 v. H. des Umsatzes dafür einsetzen, aber vorher 8 v. H. des Umsatzes, das wären also rund 40 Mill. DM, auf den fiskalischen Kupon legen! Diese Steuerpolitik steht in keinem Verhältnis zu den sozialen und materiellen Anteilen, die 10 000 Mann Belegschaft und 10,000 Aktionäre von ihrem Unternehmen verlangen dürfen. Da aber nach unserer Meinung Firmenbilanz und Lohntüte gleichartigen Relationen und Abhängigkeiten unterliegen, wird ein Rütteln an den Preisen den „Realertrag“ nicht verbessern. So wie der Reallohn auf lange Sicht nur durch Preissenkung bei den Ausgaben für die Lebenshaltung zu erhöhen ist, so führt auch der beste Weg, den betrieblichen Realertrag zu verbessern, über die Senkung der fiskalischen Abgaben und die Rationalisierung. Rlt.