Die gesetzlichen Bestimmungen über die DM-Umstellungen in Westberlin stimmen im wesentlichen mit der bundesgesetzlichen Regelung überein. Die Einreichungsfrist für die Umstellungsbilanzen läuft jedoch erst zum Jahresende ab, also ein halbes Jahr später als in Westdeutschland; sie ist neuerdings auch „für einzeln begründete Fälle“ ohne Festlegung eines allgemeingültigen Termins verlängert worden. In der überwiegenden Mehrzahl werden die Aktiengesellschaften, besonders die bekannten Unternehmen, ihre Um-Stellungsbilanzen jedoch bis zum 31. Dezember vorgelegt haben.

Die Gesellschaften hatten also die Möglichkeit, bei der Umstellung die Entwicklung nach der Währungsreform zu berücksichtigen. Das war für Berlin besonders notwendig, infolge der Blockade und der darnach erst voll in Erscheinung tretenden Schäden. Die Festsetzung des Bilanzstichtages auf den 1. April 1949 (neun Monate später als im Bundesgebiet), die schon in der späteren Einführung der DM-West als alleinige Währung begründet war, trug dem Rechnung. Die Jahre 1949 und 1950 waren für die Berliner Betriebe noch Verlustjahre, weil die Produktion Berlins mit der Westdeutschlands noch nicht konkurrieren konnte, und weil die Neuerstellung der zu 85 v. H. zerstörten und demontierten Anlagen mit ERP-Mitteln erst 1950 anlief. Ein großer Teil der Berliner Gesellschaften hat daher bei der Aufteilung des nach dem DMBG errechneten Eigenkapitals die offenen Rücklagen gegenüber dem Aktienkapital sehr stark berücksichtigt. Aus diesen freien Rücklagen konnten die Verluste der beiden ersten Geschäftsabschnitte nach der DM-Umstellung ohne Heranziehung, der laufenden Geschäftsgewinne gedeckt werden. Die Herabsetzung der Aktienkapitalien ist also in Berlin, nicht nur infolge der höheren Kriegsschäden, schärfer ausgefallen als im Bundesgebiet.

Noch ein weiterer Umstand ließ eine gründliche Bereinigung der Kapitalverhältnisse ratsam erscheinen. Erst im Laufe dieses Jahres hat die Entwicklung der Aktienkurse die Möglichkeit, Emissionen am Markt unterzubringen, greifbar gemacht. Die scharf herabgesetzten Aktienkapitalien bieten natürlich bessere Verzinsungsaussichten als hohe Kapitalien. Bei den daraus, sich ergebenden höheren Kursbewegungen ist die Unterbringung neuer Aktien mit einem Aufgeld, das die Rücklagen der Gesellschaft stärkt, leichter möglich. Diese Möglichkeiten sind von den Verwaltungen großer Berliner Unternehmungen (z. B. AEG, Rheinmetall-Borsig, Hotelbetriebs-AG.) in den Hauptversammlungen schon angedeutet worden. Bisher wurden die Investitionen in Westberlin überwiegend ans ERP-Mitteln finanziert. Diese Mittel werden, nach Mitteilung zuständiger Stellen für Berlin noch länger fließen als für Westdeutschland. Das Mißverhältnis zwischen Krediten und Eigenkapital verschärft sich jedoch dadurch immer mehr. Die Gründung einer Investment-Bank mit GARIOA-Mitteln, zur Stärkung der Eigenkapitalien in Westberlin, ist dank der „Solidarität der internationalen Bürokratie“ (ECA, ERP-Ministerium und Berliner Senat müßten hierbei zusammenwirken) trotz der sich nun schon fast ein Jahr hinziehenden Besprechungen noch nicht erfolgt. Es ist zu hoffen, daß die Bilanz- und Kapitalpolitik der Privatwirtschaft, gestützt auf die Stärkung der Börsen, schneller zum Zuge kommen wird. Dann wird man auch die größeren Kapitalopfer, die die Aktionäre Berliner Gesellschaften bei den DM-Umstellungen bringen mußten, bald wieder verschmerzen können. S–r.