Franziska Bilek im Wilhelm-Busch-Museum

Wer seinen stillen Kummer daran hat, daß bei uns zulande eine humoristische Zeitschrift nicht gedeiht, dem ist es ein wohltuender Trost, daß es Franziska Bilek gibt. Seit sie Mitte der dreißiger Jahre begonnen hat, ihre Zeichnungen im „Simplicissimus“ und nach dem Kriege in dem sonst blutarmen, kurzlebigen „Simpl“ zu veröffentlichen, hat sie sich zur bedeutendsten humoristischen Zeichnerin der Gegenwart entwickelt. Es ist fraglich, ob es überhaupt schon einmal eine Frau gegeben hat, die Witz, Satire, Ironie und Parodie so bezwingend mit der Zeichenfeder ausdrücken konnte.

Das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover hat der Münchenerin lobenswerterweise seine Räume für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt. Es hätte sich in der Tat kaum ein passenderer Ort dafür finden lassen. Ein Vergleich bot sich von selbst an, und wenn das Werk des Meisters aus Wiedensahl auch umfangreicher und gewichtiger ist, so können daneben die Arbeiten seiner süddeutschen Schwester im Humor doch voll bestehen. Die Treffsicherheit der Linienführung wirkt unwiderstehlich komisch und steigert das Schmunzeln des Betrachters häufig zu lautem Lachen. Unerschöpfliches Thema ist die viel mißbrauchte Kreatur Mensch, von der Geburt bis zum Tode, und der Widersinn dieser Welt zwischen Krieg und Frieden. Franziska zeichnet das „Selbstgebastelte Liebesaltärchen“, den „Verliebten Tintenfisch“, der alle Arme voll zu tun hat, um eine Meerjungfrau zu betören, den „Aufbruch der Hexen“ in der Walpurgisnacht, wobei eine der wilden Nachtschwestern ob ihrer Vollbusigkeit nicht aus der Esse fahren kann. Da gibt es aber auch die großartige „Rede an das XX. Jahrhundert“, die sich die Künstlerin selbst auf die herausgestreckte, übergroße Zunge schreibt.

Franziska Bilek hat in unverkennbarer Art auch viele Bücher zum Gaudium der Leser illustriert; so den köstlichen „Heiteren Olymp“, zu dem Walter Foitzik den Text schrieb. Das im vorigen Jahr erschienene Buch „Lieber Olaf – Liebe Franziska“, ein Briefwechsel mit Gulbransson, hat besonders weite Verbreitung gefunden. W. Sch.