Das Personal der Dienststelle Blank im Bundeskanzleramt soll von 76 auf 162 Personen erhöht werden. Die Unterbringung der Besatzungstruppen, die ursprünglich einzige Aufgabe des Amtes, wird nach dem Plan von neun Beamten bearbeitet. Blank erklärte, die Bildung eines deutschen Verteidigungsministeriums sei noch nicht beschlossen worden.

„Es sei die Frage, ob eine Wiedergewinnung der deutschen Ostgebiete ohne Krieg möglich sei“, sagte der frühere britische Schatzkanzler Hugh Dalton in einer Rundfunkansprache. Ein starkes bewaffnetes Deutschland könne zwar die Vorhut einer anti-sowjetischen Gemeinschaft bilden, doch bestehe ebenso die Möglichkeit, daß Deutschland sich mit der Sowjetunion über eine fünfte Teilung Polens einige.

Der stellvertretende Ministerpräsident der Ostzonenregierung, Nuschke, hat der französischen Zeitung „Le Monde in einem Interview erklärt, seiner Meinung nach würde aus gesamtdeutschen Wahlen eine Regierung der großen Koalition hervorgehen, die sich von der Koalition der Weimarer Republik nur dadurch unterscheiden würde, daß sie die äußerste Linke einschlösse. Die gesamtdeutschen Sozialdemokraten würden sich jedoch von Dr. Schumacher trennen, da er ein noch schlimmerer Militarist sei als Adenauer. Schumacher widersetze sich nur deshalb der Wiederaufrüstung Westdeutschlands in der jetzt geplanten Form, weil er für die unbegrenzte Aufrüstung bei völliger Gleichberechtigung sei. Über die Oder-Neiße-Linie befragt, antwortete Nuschke, die deutschen Ostprovinzen seien auf jeden Fall für Deutschland verloren und würden auch nach einem Krieg von einer siegreichen westlichen Koalition nicht an Deutschland zurückgegeben werden. So schmerzlich der Verlust sei, so rechtfertige er doch keinen Krieg.

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Zu einer Geldstrafe von elf Pfund wurde einenglischer Demonstrant verurteilt, der bei dem Besuch des Bundeskanzlers in London auf dem Picadilly Circus Schmähschriften verteilte und „Adenauer go home“ gerufen hatte. Bei seiner Festnahme hatte er einen Polizisten in den Leib’ getreten. Wegen der Beleidigung des Bundeskanzlers erhielt er ein Pfund, wegen des tätlichen Angriffs auf den Polizisten zehn Pfund Geldstrafe.

In einem vom Bundespresseamt veröffentlichten Artikel wird die Durchführung der britischen Kriegsverbrecherprozesse scharf kritisiert. Es wird dort erklärt, daß bei der verwaltungsmäßigen Überprüfung im Februar 1949 jeder Angeklagte durchschnittlich nur zwei Minuten gehört worden sei. Den britischen Gerichten wird vorgeworfen, bis heute keine Begründung für die Urteile gegeben zu haben. Revisionsanträge der Verteidiger ruhten unbeantwortet beim Foreign Office. Ein britischer Sprecher erklärte hierzu, die englischen Kriegsverbrecherprozesse seien unter genauer Beachtung der Prinzipien des Rechts durchgeführt worden. Der Artikel des Bundespresseamtes sei ein Teil eines systematischen und amtlich inspirierten Feldzuges für die Freilassung von zweihundert Kriegsverbrechern.

Das EMNID-Institut für Meinungsforschung hat nach den englischen Wahlen in allen Bevölkerungsschichten eine Umfrage darüber veranstaltet, wie das Wahlergebnis in der Bundesrepublik aufgenommen wurde. Ergebnis: 45 Prozent der Befragten waren über Churchills Sieg erfreut, 18 Prozent würden es lieber sehen, wenn weiterhin die Labour Party regierte, 37 Prozent äußerten keine Meinung.