José Orabuena: Kindheit in Cordoba (S. Fischer Verlag, Frankfurt, 224 S., Leinen 11,50 DM).

Dies Buch von leicht preziösen Reizen stellt sich dar als die Jugenderinnerungen eines neunzigjährigen Arztes aus Cordoba, der 1833 geboren wurde. José Orabuena nennt sich Enkel und Herausgeber. Aber auch dieses ist wohl eine Fiktion. Denn das Buch ist nicht aus dem Spanischen übersetzt, sondern in einem gewählt biedermeierlichen, stilistisch ungemein feinhörigen Deutsch geschrieben. Dem Leser erschließt sich das Innere, Innerste eines jüdischen Patrizierhauses um die vorige Jahrhundertmitte mit all seiner Zurückhaltung und Aufgeschlossenheit. Die Familie ist sich selbst genug, von außen her wird nur das Wissenschaftliche und das Künstlerische aufgenommen. Die Erziehung der Kinder ist der Mittelpunkt dieses Dasein, wichtiger fast noch als der Beruf. Eine Reise nach Paris wird kaum als Begegnung mit der großen Welt erlebt, aber sie bewirkt, daß sich unmerklich das patriarchalische Verhältnis zwischen Vater und Sohn in ein kameradschaftliches verwandelt. An der Emanzipation nehmen die Orabuenas noch nicht teil; doch sind sie weder deklassiert noch mißachtet und ruhen fest in ihrer altjüdischen und gar nicht materialistischen Lebensform. –nn.