Abberufung des ägyptischen Botschafters aus London. Aufruf der Regierung in Kairo zum offenen Widerstand gegen die britischen Truppen. 60 000 ägyptische Arbeiter verlassen die Kanalzone und ihre Arbeitsstätten bei der britischen Armee. Bewaffnung der Zivilisten und Gründung der Befreiungsbataillone – das waren die alarmierenden Nachrichten der vergangenen Woche, die befürchten ließen, daß die Entwicklung in Ägypten sich sehr bald jeder Kontrolle politischer Vernunft entziehen werde.

Inzwischen scheint in Ägypten die Sorge vor den Folgen dieser Politik eine Art Atempause geschaffen zu haben, und auch London ist offenbar zu gewissen Konzessionen bereit. Die Verhandlungen, die dieser Tage in Paris zwischen Eden und dem abberufenen ägyptischen Botschafter stattgefunden haben, wurden eingeleitet, weil beide Seiten den Wunsch haben, die Möglichkeiten zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes zu untersuchen.

Die Basis für diese Gespräche bildeten offenbar jene elf Grundsätze, die in einer an die arabischen Staaten und Israel gerichteten Botschaft der vier Mächte vom 9. November niedergelegt sind. Jene Botschaft schlug vor, das Mittel-6ost-Kommando anfangs nur als eine Planungs- und Schulungsorganisation zu etablieren. Die Mitgliedschaft würde dann nicht mehr (wie in jenem ersten Vorschlag, der eigentlich einem Diktat gleichkam und Kairo den letzten Anstoß gab, den Vertrag von 1936 zu zerreißen) davon abhängig gemacht, daß dem Kommando bereits in Friedenszeiten Truppen zur Verfügung stehen. Das Kommando will hingegen jedem Mitgliedsstaat, der es wünscht, bei der Schulung seiner Truppen helfen und auch soweit wie möglich den Wünschen auf Waffenlieferungen entsprechen. Bewegungen von Truppen, die dem Obersten Befehlshaber Mittel-Ost zur Verfügung gestellt sind, in Richtung auf oder im Hoheitsgebiet von Mitgliedsstaaten würde entsprechend ihrem Vorschlag nur mit Zustimmung der betreffenden Länder erfolgen.

Es wäre denkbar, daß auf dieser Basis eine Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen Ägypten und England zustande kommt und daß diese zweifellos schwierigen Verhandlungen bei beiderseitigem gutem Willen zu einem Ergebnis führen, das den berechtigten nationalen Wünschen des ägyptischen Volkes und dem Sicherheitsbedürfnis des Westens gerecht wird. E. K.