Gesamtausgaben von Klassikern sind heute noch ein Unternehmen, zu dem eine kaum zumutbare Verwegenheit gehört. Planung auf lange Sicht ist kaum möglich, und in kurzer Frist ist die Aufgabe nicht zu bewältigen. Um so mehr ist es zu bewundern, daß der Carl Hanser Verlag, München, in diesem Jahr eine textlich komplette, in der Ausstattung (auf Dünndruckpapier) mustergültige Kleist-Ausgabe vorlegen kann. (Heinrich von Kleist. Sämtliche Werke und Briefe. Zwei Bände, 738 und 969 S., Leinen 38,– DM.) Helmut Sembdner, der würdige Nachfolger des letzten Editors Minde-Pouet, hat – unter notgedrungenem Verzicht auf allen literarhistorischen Apparat – alles, was aus der Feder Kleists auf uns gekommen ist, gesammelt (darunter manches Anekdotische für den Journalisten Kleist neu gesichert) und den heutigen Rechtschreibungsgewohnheiten angepaßt.

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Ludwig Tiecks Don-Quijotte-Übersetzung ist ein klassisches deutsches Werk wie der Schlegel-Tiecksche Shakespeare, war aber seit Jahrzehnten eine bibliophile Rarität. Nun hat der Karl Rauch Verlag, Bad Salzig und Düsseldorf, es gewagt, ihn ungekürzt in zwei stattlichen Bänden neu herauszugeben. (Miguel de Cervantes, „Don Quijotte von La Mancha“. 1104 S., 25 Tafeln nach Handzeichnungen von Robert Pudlich, Leinen 40,– DM.) Ein Romanist von Rang, Hans Rheinfelder, hat den Text nach dem heutigen Stand der Forschung revidiert und mit Anmerkungen versehen. Aber das Philologische tritt ganz hinter das Werk selbst zurück, das in Tiecks genialer Übertragung alle seine Vielschichtigkeit beibehält. *

Von dem „Hamburger Goethe“ des Christian Wegner Verlages, der besonders durch seine reiche und umfassende Kommentierung Ansehen in der ganzen Welt gewonnen hat, sind eine Anzahl von Bänden jetzt auch separat erschienen: außer dem „Faust“ die beiden Bände „Wilhelm Meister“ (von Erich Trunz zum erstenmal ganz durchkommenden) und die „Italienische Reise“ (mit den Erläuterungen des Kunsthistorikers Herbert v. Einem). * cel.

George A. Ware: Deutsches und österreichisches Porzellan. (Lothar Woeller Verlag, Frankfurt a. Main, 248 S., 48,– DM.)

Mit 375 Porzellanwarenzeichen von 126 Fabriken, 4 Farbtafeln, 174 Schwarzweiß-Reproduktionen, ausfürlichem Literaturverzeichnis, Technologie und Index führt das prächtig ausgestattete Buch den Leser gewissenhaft und liebenswürdig in die Welt des Porzellans. Die „Königin der Keramik“ im Spiegel eines instinktsicheren, begeisterten Sammlers, der zum Schluß großzügig „Ratschläge für den Amateur“ erteilt.