Als ich meine Frau sah, war sie Prinzessin geworden. Lange, blonde Locken hingen auf ihre Schultern. Die Haut im Gesicht und an den Armen war wie aus Milch, nur auf den Wangen lag ein Hauch Karmin. Ihre Stimme klang wie ein Glockenspiel, und wenn sie ging, war es, als schwebe sie an unsichtbaren Fäden. Nur das Kleid, nein, das Kleid kann nicht nach ihrem Geschmack gewesen sein: Ein leichter, zartgrüner Flitter, der höchstens seine 65 Mark gekostet haben konnte. Sowas trägt sie sonst nicht. Dafür saß auf ihrem blonden Haar eine Krone. Sie wird vermutlich aus Messing gewesen sein.

Als ich so meine Frau zum ersten Male sah, sagte ein Kind hinter mir: „Wie schön sie ist!“

Mein armes Kind, das täuscht! Sieh mal die Beleuchtung, nicht wahr? Und die blonden Haare machen auch allerhand her. Sonst sind sie nämlich fast dunkelrot, vorne mit einem struppigen Wirbel. Und darauf würde nicht einmal die Krone übermäßig wirken.

In dem erwähnten Augenblick, da ich sie erkannt hatte, beugte sie sich gerade über den Rand ihres Brunnens und rief: „Mein Ball, mein Ball!“ Sie war sehr ärgerlich, beinahe wütend. Ich konnte ihr Gesicht nicht genau erkennen, aber ich wußte, wie es aussah. Wir haben zu Hause einen Ofen, der die Eigenart hat, nur anzubrennen, wenn ich mich mit ihm beschäftige. Will meine Frau heizen, geht das Feuer nach wenigen Minuten wieder aus. Dann macht sie so ein Gesicht und flucht dabei: „Verfluchter Mist, so ein Sch... ofen!“ Nach diesem Augenblick wurde es gleich wieder dunkel.

Ich vergaß: Bevor ich meine Frau dort sah, hatte eine alte Frau bereits von ihr gesprochen: „Sie ist eine hochnäsige, dumme Gans.“ Ach, das ist wohl doch etwas übertrieben, gute Frau. Sie hat ihre Fehler. Aber eine Gans ist sie nicht.

Als das Licht wieder aufleuchtete, saß meine Frau am Tisch. Vor ihr stand eine große Torte und die Königin sagte: „Warum ißt du denn nichts. davon?“ – „Ich habe keinen Appetit“, antwortete meine Frau. Nanu, dachte ich, keine Torte? Gespannt wartete ich darauf, wie das wohl enden würde. Der König brachte Schokolade – verkehrt, ganz verkehrt! – Lebkuchen und ein neues Kleid, dasselbe in rosa. Nein, das mochte sie auch nicht. Ich hatte das bereits geahnt. Jetzt versuchte es der Hofmarschall mit ihr. Meine Frau wollte nichts. Der König und die Königin waren sehr verärgert. Ich dachte daran, wie ich das gestern mit dem Steinbeißer gemacht hatte. Als ich am Abend nach Hause gekommen war, hatte ich ein Stück geräucherten Steinbeißer mitgebracht. „Ich habe hier einen Steinbeißer mit, magst du das?“ frage ich. – „Nein“, sagte sie, „wie schmeckt das?“

„Hast du schon einmal Steinbeißer gegessen?“