R. S. Bonn, Ende Dezember

politische Ehen werden nur selten im Himmel rosiger Illusionen geschlossen. In der Regel geht es um handfeste Interessen. So auch bei dem politischen Ehebund, zu dem Frau Wessel vom Zentrum dem Herrn Decker von der Bayernpartei die Hand reichte. Dieser Ehekontrakt wurde zweifellos in Erwartung einer politischen Erbschaft geschlossen. Ein Motiv für die Fusionierung ist die Möglichkeit, auf diese Weise im Bundestag eine Fraktion bilden und der damit verbundenen Vorteile teilhaftig werden zu können. In den Fraktionsvorsitz werden sich Frau Wessel und Herr Decker gleichberechtigt teilen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau dürfte dabei auf harte Proben gestellt werden. Schon allein im Hinblick auf das Thema Föderalismus werden die Temperamente sehr verschieden reagieren. Nicht anders bei der Sozialpolitik. Das Zentrum neigte hier bisher mehr nach links, die Bayernpartei mehr nach rechts. Und wenn auch Gegensätze sich anziehen mögen, so ist im rauhen Alltag doch sogar manche Liebesehe in die Brüche gegangen, wenn die Gegensätze zu stark wurden. Natürlich kann kluge Gütertrennung das Zusammenleben erleichtern. Sie ist darum auch hier vorgesehen. Jeder bleibt in seinem Land Herr im Hause! R. S.