Von Walther F. Kleffel

Die Völker des Nordens erfanden ihn, um auch im Winter über Schnee und Eis hinweg jagen zu können. Längst ist der Schlittschuhlauf nun zum Sport geworden und man vergißt, welche ehrbar-lange Vergangenheit er hat. Unter den vielen Lehrsprüchen, die Wotan dem jungen Siegfried gab, war auch der, daß „das Eis zum Schlittschuhlaufen da sei“. In der Heldensage von Tegnér „Frithjof und Ingeborg“ läuft der junge Held auf Eisenschuhen vor dem Schlitten des Königs Rings her und schneidet mit ihnen Runen in die Fläche, so daß die schöne Ingeborg über den eigenen Namen fährt – eine Kunstfertigkeit, die kaum einer der besten Kunstläufer von heute ihm wird nachmachen können. Ja, es gibt sogar auch eine Eisheilige, Sankt Lydwina, die sich als junges Mädchen auf dem Eise eine Rippe brach und seitdem ein gottgefälliges Leben im Bett führte. Das war 1380, und seit Ende des vorigen Jahrhunderts wird sie zu den Heiligen gezählt.

Im Unterschied zu manchen anderen europäischen Ländern hat es in Deutschland verhältnismäßig lange gedauert, bis das Schlittschuhlaufen seine Liebhaber fand. Die „Gesellschaft“ hielt sich zunächst völlig zurück. Es war deshalb ein „bahnbrechendes“ Ereignis, als sich vor etwa 120 Jahren die Gräfin Rossi, hinter der sich keine Geringere als die gefeierte Schauspielerin Henriette Sonntag verbarg, im blauen Samtkleide und auf Schlittschuhen den erstaunten Berlinern auf dem Eis rings um die Rousseauinsel präsentierte. Mit ihrer kleinen Tochter an der Hand tummelte sie sich auf den Seen des Tiergartens, und was man bei anderen bestimmt sehr unschicklich, ja anstößig gefunden hätte, verzieh man der schönen Frau, ja man pries es sogar laut und vernehmlich. Und seit jenem denkwürdigen Märztage des Jahres 1832 sah man dann immer mehr und mehr Damen auf dem Eise beim Schlittschuhlaufen.

Aber schon viele Jahre bevor es Mode wurde, entdeckten die Poeten ihre Liebe zum Eislauf. Klopstock hat ihn durch über hundert Oden populär gemacht, Herder, Plauen und vor allem Goethe haben ihn besungen. Goethe war selbst ein begeisterter und sehr guter Schlittschuhläufer. Lavater hat auf den Olympier als Eisläufer eine Ode geschrieben, die er ihm im Jahre 1774 aus Zürich sandte: „Ha! Wie fliegt dir mein Blick mit hoch aufschlagender Brust nach, wenn auf dem glashellen Eis dein Fuß den Geniusflug fliegt!“

Herder war vom Eise so angetan, daß er seine Ode „Der Eistanz“ schrieb:

„Wir schweben, wir wallen auf hallendem Meer,

auf Silberkristallen dahin und daher: