Auch in Deutschland haben es die Tageszeitungen ohne „Comics“ heute schon schwer –: sie bleiben in der Auflagenhöhe weit hinter den Blättern mit jenen Bilderstreifen, die abenteuerliche und meistens ziemlich dumme Geschichten in Fortsetzungen erzählen, zurück. Sie werden aus Amerika importiert, wo eine ganze Industrie damit beschäftigt ist, sie hervorzubringen. Wahrscheinlich befriedigen sie irgendein Bedürfnis, indem sie auf halbem Wege zwischen primitiver Lektüre und primitivem Kino oder Fernsehen stehen. Andernfalls wäre nicht zu begreifen, daß in den USA im Monat 80 Millionen „Comic“-Bücher gedruckt und verkauft werden und den damit beschäftigten Geschäftsleuten 18 Millionen Dollar einbringen. Überall in der Welt ist ja heute das Bild gegenüber dem Buchstaben im Vormarsch –: mit dem letzten Analphabeten verschwinden offenbar auch die letzten wirklichen Legenden. Die Comics sind das Zeichen einer Zeit, in der die Menschen nicht mehr lesen, sondern nur noch schauen wollen, was zur allgemeinen Verdummung mehr beiträgt, als sonst irgend etwas auf der Welt.

Neuerdings ist jedoch das Parlament des Staates New York auf die Idee gekommen, daß es bei einem großen Teil der „Comics“ nicht bei der Verdummung bleibt, sondern daß in ihrer Verbreitung gewisse Gefahren für die Jugend liegen, die natürlich der Hauptabnehmer dieser Heftchen ist. Denn die meisten der darin erzählten Geschichten sind Mord, Prügelei, Kinder-, raub und dergleichen, was einen englischen Kritiker zu der Feststellung veranlaßt hat, daß „jedes Kind in den USA, das 1938 sechs Jahre alt war, seither ein Minimum von 18 000 Prügeleien und Schlächtereien im Bilde in sich aufgenommen hat“. Das New Yorker Parlament hat daher einen Untersuchungsausschuß eingesetzt, um zu prüfen, ob gegen die „Comics“ vorgegangen werden soll. Dabei stellte sich heraus, daß jetzt auch eine bedenkliche Art von Erotik in die „Comics“ Eingang gefunden hat, dazu Inserate, die keineswegs für Kinder und Jugendliche geeignet sind. Der Ausschuß ist bisher noch zu keinem Ergebnis gekommen, doch scheint man einig darüber zu sein, daß etwa ein Viertel der „Comic“-Bücher „zu beanstanden“ sind, das wären immerhin etwa 20 Millionen im Monat. Wie viele von ihnen komisch sind, sei leider von dem Ausschuß nicht festgestellt worden, schreibt melancholisch der Berichterstatter der „New York Herald Tribune“, die zur Bestürzung vieler ihrer europäischen Leser seit einigen Wochen dazu übergegangen ist, fast ein Viertel ihres Raums an solche Bildstreifen zu verschwenden. Nun sind die „Comics“ offenbar auch in Europa ein Geschäft geworden; oder sollte es sich hier um verfeinerte re-education handeln? F.