Alle Schwierigkeiten zusammengenommen können jedoch ‚eines nicht beeinträchtigen: das Gefühl der Stärke, das Gefühl echter Macht, das jetzt in den Vereinigten Staaten wieder vorhanden ist. Am entscheidendsten kommt dies zum Ausdruck in der amerikanischen Außenpolitik, und hierfür war wohl das sichtbarste Beispiel der Friedensschluß mit Japan in San Franzisko am 19. September 1951.

Der Vertrag war von dem Sonderbeauftragten des Präsidenten, John Foster Dulles, ausgearbeitet und verhandelt worden. Die Forderung Moskaus, daß dies in Viermächtebesprechungen – zwischen den USA, Großbritannien, Rotchina und der Sowjetunion – geschehen sollte, war vom State Department kurzerhand mit dem Bemerken zurückgewiesen worden, daß an diesem Vertragswerk sämtliche Nationen beteiligt werden müßten, die aktiv gegen Japan im Krieg gestanden hätten. John Foster Dulles hat dieses schwierige Werk in meisterhafter Weise durchgeführt. Der Vertrag ist hart. Er führt Japan gebietsmäßig wieder auf den Stand von 1854 zurück, nimmt ihm also seinen gesamten Kolonialbesitz und läßt somit das drängende Problem der Übervölkerung ungelöst. Gleichzeitig koppelte Dulles den eigentlichen Friedensvertrag mit einem zweiten Abkommen, durch das Amerika das Recht erhält, in und um Japan Truppen zu stationieren. Dafür gewährte er: keine Beschränkungen in der Aufrüstung und in Schiffahrt und Handel – worüber England sich wenig erfreut zeigte – und ferner einen allgemeinen Verzicht auf Reparationen. Diese Erleichterungen ermöglichten es dem japanischen Ministerpräsidenten Yoshida in San Franzisko, zugleich im Namen der Regierungsparteien wie der Opposition aufzutreten.

Die Konferenz von San Franzisko, zu der auch die Sowjetrussen erschienen waren, setzte in der Geschäftsordnungsdebatte mit überwältigender Mehrheit fest, daß der Vertrag als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden müsse, Abänderungsanträge also nicht gestellt wenden könnten. Ein Vetorecht wurde keiner Nation zugestanden. Gromykos Versuche, hiergegen zu protestieren, wurden von der Versammlung niedergestimmt. Trotz der Ablehnung Sowjetrußlands wurde der Vertrag von den übrigen 50 Staaten angenommen. Drei der eingeladenen Nationen waren den Verhandlungen ferngeblieben: Jugoslawien, Burma und Indien. Jugoslawien, weil es sich aus dem Streit mit Moskau immer noch, soweit es irgend geht, heraushalten möchte. Burma, weil es versuchen will, von Japan Reparationen zu erhalten. Und Indien – weil es einen eigenen separaten Friedensvertrag mit Japan abschließen will, einen Vertrag, so wurde in Delhi ausdrücklich betont, der dem von San Franzisko nicht zuwiderlaufen soll.

Vernehmbarer Appell: Asien den Asiaten

In dieser Zurückhaltung Indiens wurde eines wieder offenbar, daß nämlich in dem Zusammenschluß der Völker, die nicht zum Sowjetblock gehören, immer noch eine Lücke besteht. Im Westen gibt es den Atlantikpakt, dem demnächst auch Griechenland und die Türkei beitreten werden. Der militärischen Atlantikorganisation soll in Zukunft auch, die Bundesrepublik über den Pleven-Plan angehören. Mittel- und Südamerika sind den Vereinigten Staaten durch das Panamerikanische Verteidigungsbündnis angeschlossen. Im Osten ist im Jahre 1951 ein Pazifikpakt zwischen den USA, Neuseeland und Australien, ferner ein Bündnis mit den Philippinen (dies war der 50. Beistandspakt der Vereinigten Staaten) und ein Militärabkommen mit Japan geschlossen worden. Nur der Kern Asiens hält sich trotz mancher Sympathien von so festen Bindungen zurück.

Nicht etwa, daß man die Sowjets liebte. Die Kommunisten werden in Indien, Pakistan, Burma und Indonesien scharf verfolgt. Aber man wünscht auch nicht, daß sich die Großmächte des Westens mit den Vertretern des überlebten Feudalsystems in Asien verbünden, nicht mit Elpidio Quirino, dem heutigen Präsidenten der Philippinen, der ein Exponent der reichen und korrupten großen Plantagenbesitzer ist, und auch nicht mit Tschiangkaischek. Man hat zwar nicht vergessen, daß die USA sich in Indonesien gegen das holländische Kolonialsystem gestellt haben, aber bereits die Vermittlerrolle im iranischen Ölstreit hat man nicht gern gesehen. Man mißbilligt zwar die radikale ägyptische Obstruktion, die vernünftige Verhandlungen mit Großbritannien unmöglich macht, aber man bemerkt doch, daß Amerika nicht nur hier, sondern auch in den Fragen des französischen Kolonialreiches, in Vietnam, in Kambodscha, in Tunis, Algier, Marokko sich auf den Standpunkt der alten „Imperialisten“ England und Frankreich stellt. Gewiß ist man in Delhi über die chinesische Politik verschnupft, insbesondere über die Besetzung Tibets. Aber man hätte es lieber gesehen, wenn die Schlichtung des Koreakonfliktes asiatischen Mächten überlassen worden wäre.

Vieles an dieser „asiatischen“ Politik ist gewiß stimmungsmäßig zu erklären. Doch ist es bei einer Betrachtung dieser Frage nötig, sie auch nach sachlichen Gesichtspunkten zu durchleuchten. Und da lernt man bald, die Ursachen der Konflikte zu unterscheiden. Da ist zunächst ein Patriotismus, der die Freiheit und das Recht zur Selbstentscheidung wünscht. Da ist ferner eine soziale Bewegung gegen den veralteten Feudalismus, und da sind drittens kommunistische Bestrebungen, die sich dieser genannten Motive für ihre Zwecke zu bedienen suchen.