Das Jahr 1951 war für den deutschen Exporteur ein Jahr des Erfolges, für den Importeur ein Jahr der Resignation. Der Export stieg von rd. 200 Mill. $ monatlich zu Anfang des Jahres auf rd. 300 Mill. $ gegen Ende des Jahres, allerdings in einer sich langsam abflachenden Kurve. Der Gesamtexport für 1951 dürfte, wenn man die noch ausstehenden Dezemberergebnisse einsetzt, einen Wert von 14 bis 15 Mrd. DM erreichen. Der Import dagegen wurde im Frühling künstlich ruckartig auf ein niedrigeres Niveau hinabgepreßt, von dem er sich nur langsam – im Maße der planmäßigen Einfuhrfreigaben – erholen konnte.

Diese Ergebnisse wurden trotz größter Schwierigkeiten erzielt: trotz der Konkurrenz auf den Absatzmärkten, obwohl die Binnenproduktion in die Engpässe geraten war und nun vielfach (den Exporteuren gegenüber) dazu überging, von bereits abgeschlossenen Verträgen zurückzutreten, und trotz der Verschärfung der Exportkontrollen.

Auf den Kampf, den der deutsche Exporteur draußen auf den Auslandsmärkten geführt hat, wirft die Außenhandelsstatistik und -berichterstattung nur ein unzureichendes Licht. Lediglich der Handel in den EZU-Raum lag im Scheinwerfer der Publizität Dort wurden die Salden bei der EZU zu Schicksalszahlen des Außenhandels; nicht nur für Westdeutschland, sondern auch für eine Anzahl anderer Verrechnungsteilnehmer, so besonders für Belgien und Italien (deren Gläubigerposition trotz besten Willens beider Länder und trotz verschiedener von ihnen ergriffenen Maßnahmen einfach nicht zu erschüttern ist), für Frankreich und für Großbritannien, das im Laufe eines Jahres vom bedeutendsten Gläubiger zum bedeutendsten Schuldner abstürzte, aber auch für eine Reihe kleinerer Länder, wie z. B. Österreich und die Niederlande als Schuldner, Portugal als Gläubiger. Doch das Hauptereignis im EZU-Raum war 1951 die deutsche Verschuldung, die Entliberalisierung und die Überwindung der Verschuldung. – Zu für die Liberalisierungspartner teilweise schmerzhaften Eingriffen mußten neben Westdeutschland auch Belgien und Großbritannien Zuflucht nehmen. Belgien versuchte erfolglos, durch eine Exportabgabe die Ausfuhr in den EZU-Raum zu bremsen; Großbritannien hob die Liberalisierung zum Teil auf.

Trotz der Erleichterung im Verrechnungsverkehr mit der EZU hat sich Westdeutschlands Export nicht auf Europa konzentriert. Es ist im Gegenteil eine gleichmäßige Steigerung in alle Zahlungsräume, einschließlich Osteuropas, festzustellen. Für die Erringung der alten Absatzpositionen war die Lage am Weltmarkt günstig. Auch Japan kam die Situation zugute. Im Sommer ritt die ausländische Wirtschaftspresse einige (allerdings gemäßigte) Attacken gegen die deutsche und japanische Konkurrenz; doch ist im ganzen im Jahre 1951 das Bild des Weltmarktes durch Produktionsschwierigkeiten und nicht durch Absatzschwierigkeiten bestimmt und dadurch der Konkurrenzdruck gemildert gewesen.

So sehr die Weltmarkthausse die deutsche Absatzexpansion begünstigte, so sehr erschwerte sie die Beschaffung der Ware. Es herrschte nicht nur im Auslande der „seller’s market“ sondern auch in zahlreichen westdeutschen Industriezweigen. Für den Exporteur begannen Beziehungen wieder wichtig zu werden – für den Export als Ganzes das Produktionsvolumen, das in den Engpässen steckengeblieben war. Hier liegt das Zentralproblem der deutschen Volkswirtschaft, dessen Wirkungen auch und besonders auf die Entwicklung des Außenhandels zurückstrahlen. Nicht der Mangel an Absatzmöglichkeiten hat die Kurve des deutschen Exports gegen Jahresmitte abgeflacht, sondern die Produktionsenge, deren Beseitigung allerdings zum Teil auch an außenwirtschaftlichen Faktoren scheiterte: an den Preisbindungen für einige Grundstoffe im Export, besonders bei Stahl und Kohle. In anderen Ländern wurde die Hausse rücksichtslos ausgenutzt, und nur sehr massiver staatlicher Monopolbildung auf der Absatzseite durch den größten Nachfrager, die USA, gelang es – beispielsweise – den Auftrieb der Gummi- und Zinnpreise abzubremsen. Hier ist die Preisbildung dem Wirken des ökonomischen Gesetzes weitgehend entzogen und zum Machtkampf geworden. Bei anderen Rohstoffen hat sich die Lage auf etwas natürlichere Weise normalisiert, so etwa bei Wolle, wo der zweifellos spekulativ überhöhte Boom endlich zusammengebrochen ist. Baumwolle aber, der man noch vor einem Jahre eine finstere Zukunft vorausgesagt hatte, konnte sich halten. Die immer weiter heruntergeschraubten Ernte-Erwartungen geben den Preisen heute eine ziemlich verläßliche Stütze. – Alles in allem ist der Weltmarkt 1951 durch eine ausgesprochene Labilität gekennzeichnet gewesen. Seller’s market-Situationen wechselten mit buyer’s market-Situationen ab. Nur ein Merkmal trat deutlich und dauernder hervor: der relativ hohe Sättigungsgrad der Konsumgütermärkte, auf denen der Kunde König blieb, und auf der anderen Seite die Engpaß-Situation für die Investitionsgütermärkte, die dort dem Verkäufer die beherrschende Stellung gab.

Bei aller volkswirtschaftlichen Einsicht wird der Staat von der Wirtschaft doch als Last empfunden. Der Staat verlangt Steuern, setzt die Ordnung und kontrolliert ihre Einhaltung. Die staatliche Last wird für den Exporteur teils erleichtert – etwa durch die steuerliche Exportförderung und durch die Hilfe der sich langsam einschaltenden deutschen Auslandsvertretungen – teils aber erschwert, so durch die zusätzlichen Kontrollen. Bei diesen lassen sich zwei Motive unterscheiden: einmal die Devisenarmut, die dazu zwingt, auch den letzten Devisenerlös straff zu erfassen, und dann die Ost-West-Spannung, die es erfordert, den Export durch eine besondere Institution, die Zentrale Genehmigungsstelle, zu sieben. Die Verschärfung der Ost-West-Spannung und die Verschärfung der deutschen Devisennot zwangen dazu, die Kontrollen noch zu verfeinern. Dem wurde im neuen Exportverfahren, das am 1. Oktober in Kraft trat, Rechnung getragen. Die Zollstellen wurden mit der Aufgabe der materiellen Prüfung der ausgehenden Waren betraut; die Zentrale Genehmigungsstelle führte weiterhin die Prüfung der Anträge durch. Während die Kontrollen des Zolls im allgemeinen unbeanstandet blieben, stieß die Tätigkeit der Zentralen Genehmigungsstelle auf heftige Kritik. Mit Personalmangel entschuldigte man die Verzögerungen; aber ein wesentlicher Grund für die z. T. sicher berechtigte Voreingenommenheit gegenüber der Zentralen Genehmigungsstelle mag wohl die zumindest für den Außenstehenden unklare Trennung der alliierten und westdeutschen Kompetenzen gewesen sein.

Der Staat änderte die Exportordnung im Laufe des Jahres 1951 nicht nur durch die Einführung eines neuen Exportverfahrens, sondern auch durch eine Anzahl spezieller Eingriffe. So verlor die währungspolitische Exportförderung immer stärker ihren dynamischen Charakter und wurde zur Exportsicherung: das Dollarbonus-Verfahren wurde am 22. März revidiert und am 22. Juni völlig abgeschafft. Das Devisenbetriebsfonds-Verfahren trat in Kraft, das nur den Zweck hat, die Exportproduktion zu sichern, nicht aber den erfolgreichen Exporteur besonders zu belohnen. Devisenpolitische Gründe mögen weniger für den Wechsel entscheidend gewesen, sein, als der Wunsch, einen die sozialen Spannungen verstärkenden Faktor zu beseitigen. – Ohne erkennbaren Zusammenhang und doch fast gleichzeitig mit der Beseitigung des Dollarbonus trat die steuerliche Exportförderung am 28. Juni in Kraft. Sie erstreckt sich, was neu und besonders bedeutungsvoll war, auch auf die Einkommensteuer. Bei der Umsatzsteuer ist die Vergünstigung nach Warengruppen gestaffelt. Ob die Differenzierung der Vergütung sich bereits in der Außenhandelsstatistik ausgewirkt hat, ist schwer zu sagen. Der Anteil des Fertigwarenexports ist zwar 1951 gestiegen, aber eigentlich vor dem 28. Juni.