So schmerzlich der Krieg in Korea auch ist — um der blutigen Verluste willen und wegen des Sterbens und des entsetzlichen Elends der Bevölkerung innerhalb der Politik des unter amerikanischer Führung stehenden Mächteblocks bildet er nur eine Episode. Diese Politik, deren prominentester Vertreter dier Außenminister der Vereinigten Staatein, Dean Acheson, ist, hat als Ziel ein Containment, ein Schrankensetzen gegenüber dem ständigen Vordrängen der Sowjets. Einflußreiche Kreise der USA wollen über diese Zielsetzung sogar hinausgehen. Man diskutiert bereits offen eine Politik des roll back, man will Sowjetrußland hinter die alten russischen Grenzen zurückdrücken. Und so spricht man davon, der maßvolle Acheson solle durch Trumans Sonder- , botschafter Averell Harriman ersetzt werden. Der Präsident allerdings hat solche Absichten dementiert. Er werde sich bis zum Ablauf seiner Amtszeit von Dean Acheson nicht trennen. Dies jedoch muß nicht bedeuten, daß sich nicht auch unter Acheson die Politik des Containment zur Politik des roll back entwickeln könnte. Die heutige Politik der Schrankensetzung verlangt bereits so große Leistungen und Anstrengungen von den Völkern des amerikanischen Blocks, daß auf die Dauer nur ein Zurückweichen der Sowjetnussen ein Äquivalent für die Entbehrungen bieten und einen sonst unvermeidlichen Krieg verhindern könnte.

Zwar sind im Jahre 1951 auch in Sowjetrußland offenbar die Ausgaben für Rüstungszwecke gestiegen. Jedenfalls wurde im März offiziell mitgeteilt, der Militäretat sei von 80 4 : Milliarden Rubel im Jahre 1950 auf 96 4 ; Milliarden erhöht worden, wobei natürlich gänzlich unbekannt ist, welche Positionen in diesem Etat enthalten und welche von ihm ausgeschlossen sind. Doch was können solche Steigerungen gegenüber denen des Westens bedeuten? Für das Haushaltsjahr 195152 sind im Budget cter Vereinigten Staaten 66 v. H des gesamten Haushalts, nämlich 57 Milliarden Dollar, für den Wehretat vorgesehen. Hierin sind nicht enthal ten die Kosten für den Koreakrieg, die nach Ar igaben des Verteidigungsministeriums je nach d er Intensität der Kriegführung zwischen 4 7 und eingeschlossen ist ferner ein Betrag von rund fünf Milliarden Dollar, der für die Herstellung von "Verteidigungsanlagen" innerhalb und außerhalb der USA bestimmt ist. Hiervon soll eine Milliarde zum Bau von "geheimen" Luftstützpunkten verwendet werden, die innerhalb eines wirkungsvollen Aktionsradius gegen lebenswichtige Ziele in der Sowjetunion angelgt werden sollen.

Auch die anderen Staaten des Athntikpaktes haben im Jahre 1951 auf ständiges Drängen von Washington hin ihren Wehretat erh&ht. So betrugen in Großbritannien die VerteidigungsaiusgabeM im Jahre 1951 eine Milliarde und 284 Millionen Pfund, das sind 30 6 v. H des Gesamthaushaltes gegen 23 8 v. H im Jahre 1950. In Frankreich war für den gleichen Zeitraum die eingetretene Erhöhung 7 5 v. H, das heiß von 18 5 auf 26 v. H des Gesamthaushaltes. In Großbritannien hat die Aufrüstung — neben dem allgemeinen Rückgang in der Arbeitsleistung — dazu beigetragen, daß die austerity, die Bewirtschaftung und künstliche Verknappung von Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Gebrauchs, beibehalten werden mußte. In Frankreich hatte der Finanzminister Rsne Mayer scharfe Einfuhrbeschränkungen — unter anderem von Kohle — vorgesehen. Doch konnte hiervon dank einer Zuwendung von rund 600 Millionen Dollar von seilen der Vereinigten Staaten noch einmal abgesehen werden. Im ganzen wird man nicht bezweifeln können, daß beide Länder bei der Bemessung ihres Wehretats bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen sind. Eine weitere Erhöhung müßte die national: Wirtschaft erheblich stören: Der Export würde verringert und der Ausgleich der Zahlungsbilanz gestört werden. Nicht anders verhält es sich im großen und ganzen auch bei den anderen europäischen Staaten des Atlantikpaktes.

Ohne eine finanzielle Unterstützung und die Lieferung von Material seitens der Vereinigten Staaten wäre das bisher Erreichte jedoch nicht zu erzielen gewesen. Nach einem Berich: des amerikanischen Finanzministers John Snpder hatten die Vereinigten Staaten nach dem zweiten Weltkrieg bis zum 31. März 1951 bereits 31 4 Milliarden Dollar für Auslandshilfe ausgegeben. Für das Haushaltsjahr 195152 bewilligte der Kongreß weitere 7 483 Milliarden Dollar, von denen 5 997 Milliarden im Jaihr für militärische und l 485 Milliarden für wirtschaftliche Hilf e bestimmt "sind. Der Hauptteil, nämlich 6 050 Milliarden, ist für Europa vorgesehen. 100 Millionen der Auslandshilfe sollen der Unterstützung von Angehörigen kommunistischer Länder dienen, die an" dem Freiheitskam pf des Westens mitwirken. Die Sowjetunion hat bei der UNO hiergegen protestiert unter Hinweis auf einen der UNO vorliegenden Entwurf einer Aufzählung von "Vergehen gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit". Die amerikanische Delegation hat diesen Protest in Paris als völlig unberechtigt zurückgewiesen.

Naturgemäß haben auch in den Vereinigten Staaten die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Mobilisierung ihre Grenzen. Je mehr Kriegsmaterial erzeugt wird, desto mehr geht die Produktion von Verbrauchsgütern zurück, deren Preise daher zu steigen beginnen. So entwickelt sich eine Lohn Preis Spirale, die geradenwegs zur Inflation führt. In der Tat beträgt die Kaufkraft des amerikanischen Dollars heute nur noch 53 cents der Vorkriegskaufkraft.

Die Regierung verfolgt diese Entwicklung mit großer Sorge, doch wird sie in ihren Bestrebungen, wirksame Mittel zur Bekämpfung der Inflation zu ergreifen, weder von dem Kongreß noch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wirksam unterstützt. So beschnitt der Kongreß nicht nur die Vollmachten des Präsidenten, scharfe Kontrollen einzuführen; er kürzte auch um die Hälfte die von Truman geforderten neuen Steuern, die eine Mehreinnaihme von 10 7 Milliarden Dollar einbringen sollten.

Die Gewerkschaften haben durchgesetzt, daß von dem Lohnstopp nichts mehr übriggeblieben ist. Der Preisstopp ist praktisch überhaupt nie wirksam geworden. Hierüber sind die Gewerkschaften stark verbittert. Sie behaupten, daß die Hauptlast des Verteidigungsaufbaus auf die Schultern der Arbeiter abgewälzt worden sei. Infolgedessen zogen sie sich aus allen staatlichen Ämtern und Organisationen für die Mobilisierung zurück.