Keine Konkurrenz für Verleger und Buchhändler will die „Wissenschaftliche. Buchgemeinschaft“ Tübingen sein. 1949 wurde sie gegründet und hat seitdem eine stattliche Reihe wissenschaftlicher und literarischer Publikationen hervorgebracht. Für zwei DM jährlich kann man Mitglied dieser Buchgemeinschaft werden, die sich vorgenommen hatte, „das zerstörte und aus wirtschaftlichen Gründen auf normalem Wege nicht wiederherzustellende wissenschaftliche Schrifttum ihren Mitgliedern zu ungefähr dem halben Ladenpreis zu liefern“.

Hermann Diels’ „Fragmente der Vorsokratiker“ ist eine der neuesten Veröffentlichungen. Dieses Buch zum Beispiel wird den Mitgliedern für 17 DM überlassen, während es im normalen Buchhandel 32 DM kosten würde. Außerdem sind in den letzten Monaten Dehio/Gall: „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ und Johannes Haller: „Das Papsttum“ neu erschienen. Die Arbeit der wissenschaftlichen Buchgemeinschaft bedeutet deshalb für die ausgebrannten staatlichen und privaten Bibliotheken eine große Hilfe.

Deshalb wäre es erfreulich, wenn einige Verleger ihren Kampf gegen diese Buchgemeinschaft aufgeben würden, denn man betont in Tübingen: Wir verlegen nur Bücher, die im normalen Buchhandel doch nicht herauskommen würden. Zwar stimmt dieser Hinweis nicht ganz überein mit der der achtbändigen Goetheausgabe, die man in Tübingen im Vorjahr herausgab, und auch Jacob Burckhardts „Kultur der Renaissance“ ist in anderen Verlagen erschienen. Aber die Begründer der Buchgemeinschaft sagen dazu: „Wir mußten zu Anfang auch solche Werke herausgeben, um uns zu finanzieren. Unsere eigentliche Aufgabe aber ist... Werke der Vergangenheit, die der Wissenschaft. unentbehrlich sind, deren Herausgabe aber gegenwärtig kein Verleger wagt, zu veröffentlichen.“ – Hält sich die Buchgemeinschaft an diese Maxime, so sollten die Verleger das Kriegsbeil begraben. P. H.