je ECA will demnächst den Plan verwirklichen, amerikanische Produktionsmethoden in der westeuropäischen Industrie einzuführen. Während sich die bisherige Wirtschaftshilfe der USA auf den Wiederaufbau, also die Ingangsetzung und Steigerung der Produktion durch materielle Lieferungen, konzentrierte, soll sich das Schwergewicht der amerikanischen Hilfeleistung – mit dem Auslaufen des Marshall-Planes auf die Steigerung, der Produktivität durch Anwendung amerikanischer Produktionsmethoden und Marktprinzipien – verlagern.

Nach Ansichtder ECA bedürfen die europäischen Volkswirtschaften einer Modernisierung und Überholung vom Betriebswirtschaftlichen her, um durch größere Arbeitsleistung und erhöhte Produktivität eine Senkung der Stückkosten bei höheren Löhnen zu erzielen. Damit verbunden ist eine Ausweitung des Marktes und eine Rationalisierung in der Verkaufsorganisation. Mit anderen Worten: es sollen in Europa die amerikanischen Methoden der Massenproduktion und des schnellen Güterumschlages zur Geltung gebracht werden, die unter den Auspizien des freien Wettbewerbs in den „liberalisierten“ Ländern die Arbeiterschaft zur kaufkräftigsten Konsumentenschicht machen.

Seit Beginn des Dollar-Drive spielt der Erwerb von amerikanischem „Know-How“ nicht nur für die Steigerung des Dollar-Exports, sondern auch für die Verbesserung der eigenen industriellen und kommerziellen Leistung eine bedeutende Rolle. Vor allem England entsandte laufend Studienkommissionen aller Fachgebiete in die USA oder lud amerikanische Experten zur Überprüfung und Reorganisation englischer Betriebe ein. Weiterhin macht Italien die größten Anstrengungen, seine Industrie mit Hilfe amerikanischer Fachleute zu rationalisieren, wofür als Beispiel die Einladung einer Gruppe des Stallford-Research-Institute zur Behebung der Engpässe im italienischen Maschinenbau, in der Elektroindustrie und anderen Schlüsselindustrien diene. Nunmehr soll die Initiative von der ECA ausgehen, die nach einem methodischen Vorgehen die amerikanische Produktionstechnik direkt in die europäischen Fabrikationsbetriebe hineintragen will. Danach soll jede Industriebranche ein Werk vorschlagen, in dem eine „Produktivitätsgruppe“ aus Leitung, Arbeitnehmer und (in manchen Fällen auch) aus Verbrauchern gebildet wird. Sodann werden ECA-Experten die Planung und Leitung der Produktion dieser Abteilung übernehmen, woraus sich dann konkrete Vorschläge über notwendige Einrichtungen, ergänzende Ausrüstungen oder organisatorische Änderungen ergeben. Als nächster Schritt berichtet die Fabrikleitung an die Regierung, welche dieser notwendigen Maßnahmen, sie selbst ausführen kann, oder worin sie Hilfe braucht. Kann die Regierung den Bedarf nicht aus eigener Kraft decken, berichtet sie der ECA, welche Zuteilungen erforderlich sind und welche Dringlichkeitsstufe das Projekt hat.

Als Gegenleistung für ihre Hilfe fordert die ECA von den Unternehmen bindende Zusicherungen dafür, daß die Steigerung der Produktivität den Arbeitnehmern und den Konsumenten zugutekommt. War also die Verteilung der bisherigen Wirtschaftshilfe in das Ermessen der empfangenden Regierungen gestellt, so wird künftig die Hilfe nach individuellen Gesichtspunkten an diejenigen Unternehmen verteilt, die einmal Initiative entwickeln und die ferner volkswirtschaftlich wichtig sind und im Rahmen der Ziele der ECA den größten Nutzen versprechen. Wird man hier zwar den Rüstungsbetrieben wiederum eine Vorrangstellung einräumen, so soll der „Produktivitätsplan“ doch ausdrücklich dazu dienen, die zivile Versorgung innerhalb einer Rüstungswirtschaft sicherzustellen. Die darin enthaltene Kampfansage an Marktbeschränkungen, Kartelle und Marktabsprachen dürfte, wenn sie sich nicht wie bisher auf ein Land beschränkt, der deutschen Wirtschaft durchaus willkommen sein. – Die Kosten des Beratungsprogramms werden von der ECA auf 70 Mill. $ jährlich berechnet. EOG.