Von Wall her F. Kleffel

Auch England hat seine Sorgen mit den Olympischen Spielen. Vor allem mangelt es am Gelde. Da ist ein besonders findiger Kopf auf den Gedanken einer Olympia-Luftbrücke zwischen London und Helsinki gekommen. Mit diesem Pendelluftverkehr sollen die vielen Athleten, die man gern entsenden möchte, jeweils am Vormittag ihrer Kämpfe hinübergeflogen werden, am Nachmittag an den Start gehen und abends wieder im Flugzeug in die Heimat zurückgebracht werden. Das spart vor allem viel Geld für die wochenlange Unterbringung in der finnischen Hauptstadt. Aber – hat man auch bedacht, ob ein Sportler nach einer längeren Luftreise gleich in den Kampf gehen und irgendeine begründete Aussicht auf Erfolg haben kann? Rein theoretisch könnte man dadurch auch die Zahl der Teilnehmer erheblich vergrößern, aber selbst wenn man im olympischen Geiste allein schon die Teilnahme an den Spielen als das Wertvollste und Wichtigste betrachtet, so muß man doch auch einen etwaigen Erfolg mit in die Vorausberechnung einkalkulieren (denn welcher Kämpfer läßt sich von vornherein zu einer reinen Statistenrolle verurteilen?). Wer fliegt, wird schwächer sein; und also wird die Luftbrücke wohl eine Utopie bleiben.

Da hat die Deutsche Olympische Gesellschaft schon einen günstigeren Plan ausgedacht, allerdings nur für Zuschauer, aber immerhin... Sie möchte noch mehr Jugendliche nach Helsinki führen als nur die 150 Preisträger des Bundes-Jugendwettbewerbs, in dem neben sportlichen Leistungen auch ein Aufsatz über die olympische Idee und Finnland verlangt wird. Das finnische Organisationskomitee benötigt zur Bewältigung des zu erwartenden Fremdenverkehrs rund 150 deutsche Omnibusse, die auf dem Landwege nach dem hohen Norden übergeführt werden sollen. In jedem Omnibus können rund 20 Touristen mitfahren, und zwar umsonst. Das ist also eine seltene und gute Gelegenheit, um tüchtigen deutschen Sportjungen und -mädchen den Besuch der Weltspiele zu ermöglichen. Die Fahrt soll von Kiel aus gestartet werden, und zwar mit dem Fährdampfer bis Korsör, dann geht es quer durch Dänemark nach Helsingör, wo wieder auf eine Fähre übergewechselt wird, und danach von Helsingborg aus durch ganz Schweden nach Haparanda. Die finnische Grenze wird bei Tornea überquert, und von dort aus geht es stracks auf Helsinki zu. Die 4000 Kilometer lange Strecke soll in einer Woche bewältigt werden.

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Ganz andere Sorgen haben die Stadtväter von Oslo. Das finnische Alkoholverbot macht ihnen erheblichen Kummer. Zum Wochenende darf der Eingesessene nur ein verhältnismäßig kleines Quantum Alkohol zu sich nehmen. Das möchte man aber nur ungern den zahlreichen Gästen aus aller Herren Ländern zumuten. Sie sollen nichts von dem entbehren, woran sie zu Hause gewöhnt sind, und dazu gehören vielleicht auch ein Glas Wein, ein Likör oder ein Whisky-Soda. Was tun? Da kam man auf den Einfall olympischer Nachtklubs. In ihnen dürfen die Ausländer essen und trinken so viel sie wollen, nur ihre norwegischen Freunde dürfen sie nicht mitnehmen. Für die Norweger wird an den Eingängen das uns so wohlbekannte „Off Limi ts“ oder „Out of bounds“ prangen. Denn sonst, so befürchten die besorgten Stadtväter der norwegischen Hauptstadt, würde wahrscheinlich kein Fremder mehr einen Platz in diesen Luststätten finden. So fügt man sich in sein Unglück, schweren aber aufrechten Herzens...