Richard Vaughan: Die Brüder von Trewern. Ein Liebesroman (Marion von Schröder Verlag, Hamburg, 380 S., Leinen 13,80 DM).

Das Bergland von Südwales ist in den letzten Jahren schon einmal der Schauplatz eines berühmt gewordenen Romans gewesen. Richard Llewellyns „So grün war mein Tal“ schilderte, wie die Kohlengruben das Bauernland unterminierten und wie aus den Bauern Techniker des Bergbaus werden. Das soziale Problem steht im Mittelpunkt. Bei Richard Vaughan üben die Kohlengruben nur von fern ihre magnetische Kraft aus; die Landflucht beginnt erst langsam die Dörfer zu entleeren. Auch die Zurückbleibenden spielen schon mit dem Gedanken, den Pflug mit der Spitzhacke zu vertauschen. Doch sie sind zu fest in ihrem kargen Boden und in den ererbten Feindschaften verwurzelt, als daß sie mit der Abwanderung Ernst machen könnten. In der Liebe zwischen Ned Peele und Grett Ellis kehrt das Motiv von Romeo und Julia auf dem Dorfe wieder, aber diesmal mit versöhnlichem Ausgang.

Die tragische Verwicklung wird hier von den älteren Söhnen der beiden Häuser ausgetragen. Ihr durch den eigenen Mutwillen verschuldeter gemeinsamer Tod beim frevelhaften Spiel mit einem wütenden Stier endet die Generationen alte Feindschaft.

Vaughan, selbst Walliser, läßt die Begebenheiten von dem jungen Romeo in der Ichform erzählen. Die Liebe zu der herben Landschaft, die verhaltene Förmlichkeit der Älteren und die urwüchsige Grobheit der Jüngeren, der Tumult und die Raufereien bei den dörflichen Festen (die einen sehr breiten Raum einnehmen) – alles ist mit einer Eindringlichkeit geschildert, hinter der man die persönliche Anteilnahme des Autors spürt. Der Erfolg seines Romans in England, dem Lande ohne Bauern, beruhte auf dem aparten Reiz des bäuerlichen Milieus. In Deutschland sind Bauernromane nichts Ungewöhnliches, es werden sich jedoch viele Leser von dem Landschaftlichen angezogen fühlen. I. H.