Über die Neuformierung der Großbanken im Bundesgebiet wird von beteiligter Seite die fogende Darstellung gegeben.

In den letzten Wochen ist der Entwurf des Gesetzes über die Großbankenneuordnung, das die Bezeichnung „Gesetz über den Niederlassungsbereich von Kreditinstituten“ trägt, vom Bundesrat verabschiedet und vom Bundestag in erster Lesung behandelt worden. Es bedurfte schwieriger, sich über zwei Jahre erstreckender Verhandlungen, bis alle beteiligten Instanzen der Länder, das Zentralbanksystem und vor allem die Alliierte Hohe Kommission diesem Gesetzentwurf zustimmten. Jetzt wird es voraussichtlich nur noch wenige Wochen dauern, bis das Gesetz in Kraft tritt und die Neuordnung unserer Großbanken ihren Abschluß findet. Gleichzeitig mit dem Erlaß des Großbankengesetzes sollen durch ein Gesetz der Alliierten Hohen Kommission die alten, von den Besatzungsmächten nach der Kapitulation erlassenen Dezentralisierungsvorschriften aufgehoben werden.

Als erste Maßnahme zur Großbankenreform ist – auf Vorschlag der Bank deutscher Länder – mit der Anerkennung der Berliner Niederlassungen der Großbanken, als in das Bundesgebiet verlagerte Geldinstitute, durch die Bankaufsichtsbehörden zu rechnen. Entsprechende Beschlüsse des Zentralbankrats und des Sonderausschusses Bankenaufsicht sind nach den Vorschriften der sogenannten Verlagerungsverordnung im Dezember 1951 bereits gefaßt worden. Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank werden einen zweiten Sitz im Bundesgebiet begründen; die Berliner Niederlassung der Commerzbank (praktisch ihre Hauptniederlassung), deren Rechtssitz von jeher Hamburg ist, soll ebenfalls als verlagert anerkannt werden. Hierdurch wird die Umstellung der RM-Guthaben von Einwohnern des Bundesgebiets bei den Berliner Niederlassungen der drei Großbanken nach den Vorschriften des Umstellungsgesetzes ermöglicht. Durch die Außerkraftsetzung der Dezentralisierungsvorschriften der Besatzungsmächte erhalten die Vorstände und Aufsichtsräte der drei Großbanken wieder ihre vollen Rechte. Die Tätigkeit der vorübergehend eingesetzten staatlichen Verwalter wird beendet. Der Aufgabenkreis der alten Organe der Großbanken wird allerdings auf die Abwicklung der alten Banken und die beschleunigte Ausgründung der neuen Regionalbanken beschränkt bleiben. Die Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank werden je eine Gesamtumstellungsrechnung auf den 20. Juni 1948 erstellen, und, auf der Basis des Statuts vom 31. Dezember 1951, je drei echte Nachfolgebanken für das Bundesgebiet – als unabhängige AG’s – „ausgründen“.

Durch die Neuregelung werden die drei vorläufigen Nachfolgeinstitute der Großbanken in Nordrhein-Westfalen – die Rheinisch-Westfälische Bank, die Rhein-Ruhr-Bank und der Bankverein Westdeutschland – in ihrem jetzigen Umfange in die Rechtsform von Aktiengesellschaften gekleidet werden. Auch in Norddeutschland und Süddeutschland werden unter Zusammenfassung mehrerer bisheriger Nachfolgeinstitute stärkere unabhängige Banken entstehen. Die vier norddeutschen Länder (Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen) werden einen Bankbezirk bilden. In diesen Ländern wird das Nachfolgeinstitut der Deutschen Bank den Namen Norddeutsche Bank tragen. Die neuen Bezeichnungen für die Nachfolgebanken der Dresdner Bank und der Commerzbank in Norddeutschland sind noch nicht bekannt. Der dritte Bankbezirk wird aus den süddeutschen Ländern (Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz) und dem neuen „Südweststaat“ bestehen. Dem Vernehmen nach wird die Nachfolgebank der Deutschen Bank in Süddeutschland den Namen Süddeutsche Bank und der Dresdner Bank den Namen Rhein-Main Bank führen. Die Firmenbezeichnung des Nachfolgeinstituts der Commerzbank in Süddeutschland ist noch nicht festgelegt.

Wie es heißt, wird, im Bereich der Deutschen Bank, Herr Abs Vorsitzender des Vorstandes der Süddeutschen Bank AG. werden, Herr Bechtolf die Führung der Norddeutschen Bank AG. und Herr – Roesler die der Rheinisch-Westfälischen Bank AG. übernehmen. Die Nachfolgebanken der Dresdner Bank werden von den Herren Dr. h. c. Zinsser (Rhein-Main Bank), Hölling (Rhein-Ruhr-Bank) und Overbeck (norddeutsche Nachfolgebank der Dresdner Bank) geleitet werden. Herr Dr. Deuss wird als zukünftiger Vorsitzender des Vorstandes des Bankvereins Westdeutschland, der Nachfolgebank der Commerzbank in Nordrhein-Westfalen, genannt.

Die westdeutschen Filialen der drei Großbanken haben seit der Währungsreform im Bundesgebiet einen großen Aufschwung genommen. Die Summe ihrer Bilanzen dürfte inzwischen rund 8, Mrd. DM erreicht haben, sie zählen zu den wichtigsten Industriefinanzierungs- und Außenhandelsbanken im Bundesgebiet. Einzelne Nachfolgeinstitute, vor allem die in Nordrhein-Westfalen gelegenen, zeichnen sich durch ihren Geschäftsumfang und ihre Bedeutung aus; das größte dieser Institute, die Rheinisch-Westfälische Bank, soll schon vor längerer Zeit eine Bilanzsumme von 1,5 Mrd. DM überschritten haben. Einige der bisherigen Nachfolgeinstitute, namentlich die in den kleinen Bundesländern, hatten bei der von den Alliierten vorgenommenen Aufsplitterung keine ausreichende Geschäftshaus mehr. Durch den vorgesehenen Zusammenschluß dieser Gruppen, sowohl in Norddeutschland als auch in Süddeutschland werden wieder bedeutende und kapitalkräftige Banken erstehen, die sich mit den in Nordrhein-Westfalen bestehen! bleibenden Nachfolgebanken messen können und auch das für den Verkehr mit ausländischen Banken erforderliche Gewicht erhalten.

Die RM-Grundkapitalien der drei alten Großbanken sind verhältnismäßig klein. Das Kapital der Deutschen Bank beträgt 160 Mill. RM, das der Dresdner Bank 150 Mill. RM und das der Commerzbank 100 Mill. RM. Die Kapitalkraft der alten Großbanken beruhte nicht so sehr auf den Nominalkapitalien, sondern auf ihren offenen Reserven, die insgesamt mehrere hundert Mill. RM betrugen, sowie auf hohen stillen Reserven. Die Grundlage für die Ausgabe neuer Regionalbankaktien an die alten Aktionäre bildet das alte Stammkapital.