Heinrich Spanuth: Der Rattenfänger von Hameln. (Verlag C. W. Niemeyer, Hameln, 144 S.)

Dies Büchlein, von einem Lokalhistoriker geschrieben, hat viel mehr als lokalhistorisches Interesse. Wie die Rattenfängersage, vor allem durch Robert Brownings. „Pied Piper of Hamelin“, die kleine Weserstadt weltberühmt gemacht hat, so zeigt sich in Spanuths Buch, daß das historische Ereignis, auf dem sie fußt – der „Auszug der Hämelschen Kinder“ am 26. Juni 1284 –, in seiner Bedeutung über das örtliche weit hinausreicht. Der „Pfeifer“, erst durch Fortspinnen der Sage dreihundert Jahre später zum Rattenfänger geworden, muß ein Werber für die Ostkolonisation gewesen sein. Er handelte, wie sich nachweisen läßt, im Auftrag des Böhmenkönigs Ottokar, der Siedler und Stadtbürger für das dünnbevölkerte, von Osten her bedrohte Mähren suchte. Ein ehemaliger Troppauer Stadtarchivar hat diesen Nachweis geführt und bei seiner Vertreibung aus der Heimat 1945 alle Unterlagen – unter Verzicht auf alles andere Hab und Gut – nach Deutschland gebracht. Wolfgang Wann heißt dieser treffliche Mann, dessen überzeugende Forschungen von Spanuth nach vielen Seiten ergänzt werden. Dieser selbst, durch das Jubiläum von 1934 zur Beschäftigung mit der Sage genötigt, hat diesen äußeren Anlaß so gut zu nutzen gewußt, daß er nun, als Achtundsiebzigjähriger, mit seinen Untersuchungen zum Doktor in Göttingen promovieren konnte. cel.