Von Hans K. Bahr

Während ich in einem Lastkraftwagen durch Nordafrika fuhr, wurden in Deutschland neue Legionäre geworben. Während ich in die dunklen Kasematten der Forts hinabstieg, meldeten sich in Offenburg Hunderte zur Fremdenlegion. Ich wollte, sie alle hätten mit mir in jener Unteroffiziersmesse gesessen, als der dunkelhaarige Sergeant die deutschen Legionäre zusammenrief, weil Besuch aus Deutschland gekommen war.

Zehn Männer drängten sich um den kleinen Tisch und starrten mich an. Sie griffen hastig nach den zerlesenen deutschen Reiseprospekten und Zeitungen, fragen mich gierig nach Zuhause. Bald kamen mehr. Die zehn waren nur die zufällig Dienstfreien, und nun stellte sich heraus: fast zwei Drittel in diesem Fort sind Deutsche, und in den anderen Forts ist das Verhältnis ungefähr dasselbe.

Nur selten findet man unter ihnen romantische Abenteurer oder posthume Condottieris; nur in der Phantasie einiger Schriftsteller existiert jener Typ vom deutschen Fremdenlegionär, der „literaturfähig“ wurde. Diese hier sind: Flüchtlinge aus Ostdeutschland, Soldaten Rommels, Angehörige der Waffen-SS, Kriegsgefangene und ganz junge Leute, die, wegen eines kleinen Deliktes den Kopf verloren, wie jener Student, der in der Pfalz mit seinem Mädchen einen Autounfall hatte und am nächsten Tag nichts Besseres zu tun wußte, als sich bei der französischen Annahmestelle zu melden.

Vom Hof tönen Kommandos. Deutsche Unteroffiziere befehlen auf Französisch: Ausbildung an modernen amerikanischen Schnellfeuergewehren – die Rettung manches Indochinakämpfers. – Und alle besiegt inmitten der glühenden Sonne und des eintönig grausamen Reglements der Stumpfsinn.

Am nächsten Tage fahre ich weiter. 124 Kilometer durch gelbbraune Weite. Nur einmal hält der Lkw, und der Fahrer deutet mit gleichgültiger Gebärde auf eine steinerne Platte. Cimetiere militaire allemand steht darauf. Hier sind 1300 Gräber des deutschen Afrikakorps. Dann tauchen Araberhäuser auf, Moslems mit rotem Fez, mokkaschlürfend in einem schäbigen Café. Und dann ein Sarazenenkastell. Davor: der Kommandant. Er ist Friese und seit einundzwanzig Jahren in der Legion. Nach dem sechsten Glas Cinzano sagt er: „Die Legion ist der einzige Ort in der Welt, wo man seine Ruhe hat.“

Später kommt der Geistliche. Wie er sich zur Truppe stelle, frage ich ihn. – „Die Leute benehmen sich diszipliniert.“ – „Ich habe gehört, der Legionärspfarrer aus Sidi bei Abbes kommt so selten hierher, daß man von einer geistlichen Betreuung nicht sprechen kann.“ – „Die Kapelle steht immer offen.“ Er bricht das Gespräch ab.