Die SPD bereitet ein Sozialisierungsgesetz für Kohle- und Eisenindustrie vor. Nach den bisher bekanntgewordenen Auszügen soll nicht der Staat die sozialisierten Unternehmungen besitzen, sondern ein „Gemeinschaftseigentümer“ geschaffen werden. Dieser „Gemeinschaftseigentümer“ soll das sozialisierte Unternehmen selbst sein. Während man die Kritik der Einzelheiten bis zur Veröffentlichung des Wortlauts zurückstellen muß, fällt eines jetzt schon auf: dieses Unternehmen, das angeblich sich selbst gehört und insofern an Münchhausen erinnert, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht, hat eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Wirtschaftsform, welche Tito in Jugoslawien mit dem größten Mißerfolg eingeführt hat. Ist der SPD-Entwurf, der den Gewerkschaften eine Hauptrolle in den zu sozialisierenden Unternehmungen einräumt, vielleicht eine Idee des Herrn Agartz? Dieser Gewerkschaftstheoretiker war im Herbst in Agram und erzählte nach seiner Rückkehr im NWDR, daß die jugoslawischen Gewerkschaften jetzt die währe und echte Mitbestimmung verwirklicht hätten. Offenbar hatte Agartz nicht bemerkt, daß die dortigen Gewerkschafter kommunistische Beauftragte einer kommunistischen Diktatur sind und daß außerdem die so sozialisierten Unternehmungen so gut wie nichts Brauchbares produzieren, so daß heute Jugoslawien in einem Jahr mehr Auslandskredit braucht als früher in zehn Jahren. H. A.