Auf den Rohstoffmärkten der Welt hat sich in den letzten leiden Wochen eine verbreitete Preisabschwächung, meist leichterer Natur, bemerkbar gemacht, der allerdings auch einige Preiserhöhungen gegenüberstehen. Zurückgegangen sind vor allem die Preise für Ole und Fette und für Industrierohstoffe, mit Ausnahme von Metallen, während ins Gewicht fallende Preiserhöhungen nur bei Zinn und Kakao zu verzeichnen sind. Die Gründe für diese Preisentwicklung sind sehr unterschiedlich: Überproduktion oder große. Ernten und nachgebender Verbrauch auf der einen Seite und auf der anderen Ernterückgänge, Preisstützung und Bulkkäufe der Regierungen. Eine wichtige Rolle in der Preisentwicklung spielt außerdem die stärkere Abhängigkeit der Welt von den USA in wichtigen Warengruppen und der Mangel an Dollars in den meisten Ländern.

Auf dem Getreidemarkt ist in der Berichtsperiode eine unterschiedliche Preisentwicklung für Weizen und Mais, festzustellen, obwohl beide im vorigen Jahre eine geringere Ernte aufzuweisen hatten. Während der Weizenpreis in Chikago sich unter Schwankungen um etwa 3/4 ct je Bushel auf 258,87 cts erhöht hat, ist Mais von 191,25 auf 188,62 cts je Bushel zurückgegangen. Allerdings nur auf dem nordamerikanischen Markt, der aber für die Weltversorgung und damit auch für die Preisbildung heute mehr als je maßgebend ist. In Argentinien und Australien haben die Preise weiter angezogen oder sind unverändert fest geblieben. Wichtig für die Kontrahenten des Weltweizenabkommens sind die inzwischen von den USA erfolgten höheren Weizenzuteilungen an die ECA-Länder für Februar und März von 1 395 000 mt und 1 310 000 t sowie die vorläufige Zuteilung von je 325 000 t für April bis Mai, die natürlich zu der festen Haltung des Weizenmarktes beigetragen haben. Für Deutschland sind im Februar und März je 150 000 t und für April und Mai vorläufig je 100 000 t zugeteilt, worden. Die Zuteilungen für April und Mai können noch erhöht werden, wie das schon für Februar und März geschehen ist.

Auf dem Markt für Öle und Fette hat sich die schon früher verzeichnete rückgängige Preisbewegung fortgesetzt, z. T. sogar verstärkt. So ist Schmalz von 15,17 cts je lb Mitte Januar auf 13,80 cts bis Ende vorigen Monats gefallen, Kopra von 166 $ je sht auf 145 Sojabohnenöl, roh, von 11,75 auf 10,62 cts je lb. Eine Ausnahme bildet nur Leinsaatöl, dessen Preis sich wegen der niedrigeren Vorräte in den USA als Folge geringerer Ernte von 18,75 cts auf 20 cts je lb erhöht hat, während der Preis für Leinsaat im benachbarten Kanada, wo eine gute Ernte erreicht wurde, leicht zurückgegangen ist. Der deutsche Markt hat sich der rückläufigen Preisbewegung weitgehend angepaßt, wobei teilweise recht große Verluste entstanden sind.

Von den Industrierohstoffen haben Häute und Felle die stärksten Preiseinbußen aufzuweisen. Für schwere Stierhäute wurden in Chikago Ende Januar nur noch 15 cts je lb bezahlt gegen 19 cts am Anfang der Berichtsperiode, für Kalbfelle (9–12 lb) 4,25 $ je Fell gegen 4,75 Der starke Rückgang für Stierhäute – sie haben im Januar 1951 noch 43,50 cts per lb. gekostet und nähern sich mit ihrem heutigen Preis bereits wieder ihrem Vorkriegsstande von 11,50 cts im Januar 1939 – ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß in den USA für Sohlenleder heute vielfach Ersatzmaterial verwendet wird. Den Welthäutemarkt im ganzen haben die Preisrückgänge in den USA wenig beeinflußt, da wegen des Dollarmangels nur wenige Länder von den niedrigen amerikanischen Preisen profitieren können. Vom Häutemarkt in Argentinien werden nur geringe Veränderungen gemeldet, während der brasilianische Markt im allgemeinen preishaltend war.

Wolle hat auf den Januar-Auktionen in Australien, Neuseeland und Südafrika trotz lebhafter Kauftätigkeit gegenüber den Dezember-Auktionen bis zu 15 v. H, mitunter sogar noch mehr, nachgegeben. Der größte Rückgang wurde aus Geelong gemeldet, wo die dreitägige Auktion einen Durchschnittspreis von 77,44 d erbrachte gegen 113,58 d per lb auf der Januar-Auktion des vorigen Jahres. Auf der Londoner Wollauktion am 22. Januar blieben die Preise dagegen um 7 1/2 bis 10 v. H. hinter dem im Dezember erhellen Durchschnittspreis zurück. Die Zukunftsaussichten sind schwer zu beurteilen. Wollhandelskreise aus Bradford erwarten wegen des verhältnismäßig günstigen Ausgangs der Londoner Auktion eine neue Festigung des Marktes Dem steht aber entgegen, daß die Weltproduktion von Wollgarnen in der letzten Zeit stark zurückgegangen ist – man spricht von Rückgängen bis zu 20 v. H. – und die Ausfuhr von Wollgarnen sogar noch stärkere Einbußen aufzuweisen hat. Nach amtlicher Erhebung war die zusammengefaßte Ausfuhr von acht der größten Produktionsländer während des 3, Quartals 1951 niedriger als die Hälfte derjenigen Menge, die im letzten Vierteljahr 1950 exportiert wurde. Hinzu kommt, daß der Schafbestand der Welt in den etzten Jahren erheblich zugenommen hat. In den USA in der Höchstpreis für Importwolle in letzter Zeit von 3,35 $ per lb für gewaschene Ware auf 2,66 $ herabgesetzt worden – ein Zeichen, daß man drüben mit neuen Preiserhöhungen nicht rechnet.

Auf dem NE-Metallmarkt ist im Zuge der Vereinbarungen zwischen USA und England über neue Zinnkäufe seitens der USA eine Erhöhung des USA-Zinnpreises van 103 auf 121,50 cts je lb erfolgt. Man erwartet neue Verhandlungen zwischen den USA und Bolivien über die von den bolivianischen Erzeugern gewünschte Preiserhöhung und nimmt an, daß die bevorstehenden Besprechungen zwischen USA und Indonesien über Zinnkäufe jetzt ohne Schwierigkeiten zu einer Preiseinigung führen werden. Die amtlichen anerikanischen und englischen Preise für die übrigen NE-Metalle sind unverändert geblieben. Auf dem grauen Markt ist eine weitere Abschwächung für Blei und Zink eingetreten auch Kupfer soll zu etwas niedrigeren Preisen angeboten werden,

Der Preis für Brasilkaffee Santos Nr. 2 ist in New York leicht gestiegen. Brasilien rüstet sich aber bereits in Erwartung größerer Ernten auf eine neue „Kaffeeverteidigung“. Jedenfalls ist dort vor kurzem wieder eine Organisation zur Stützung der Preise ins Leben gerufen worden. In Kakao ist, veranlaßt durch die immer ungünstiger lautenden Nachrichten aus Westafrika über die dortigen Ernten, eine scharfe Preiserhöhung von 2 bis 37 cts je lb erfolgt. ol.