Kriminäldirektor im Kampf gegen Schmugglern nge und Korruption

Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, im Februar

Der Kripochef Berlins, Staatsanwalt Linke, der vor etwa einem Jahr sein Amt antrat, ist kürzlich vom Berliner Polizeipräsidenten Dr. Stumm aufgefordert worden, zurückzutreten. Als Linke nicht freiwillig gehen wollte, wurde er suspendiert. Seither ist der Leiter der Abteilung V im Polizeipräsidium, Sengmeister, der vornehmlich politische Fälle zu bearbeiten hat, auch mit den bisherigen Aufgaben Linkes betraut worden.

Was ist vorgefallen? Es läßt sich nicht bestreiten, daß Linke sich einen gewissen Nimbus erarbeitet hat. Linke war schließlich der Mann, der auch dann vor Verhaftungen nicht zurückschreckte, wenn Polizeibeamte die Betroffenen waren. Mit der Verhaftung des Kriminalassistenten Unger Ende März vorigen Jahres hatte es angefangen. Und als bald darauf der Chef des Dezernats B 3, Kriminalkommissar Albrecht, seinem Mitarbeiter Unger in die Zelle folgte, gingen in Berlin die Wogen hoch. Die Abteilung B 3 ist nämlich das Falschgeld-Dezernat, und nun erinnerten sich die Berliner. an eine mysteriöse Affäre, die Weihnachten 1950 passiert war. Da hatten in der Luitpoldstraße in einer Goldscheideanstalt Kriminalbeamte Goldbestände von hohem Werte beschlagnahmt, – doch – niemand erfuhr, wohin das beschlagnahmte Geld gekommen ist. Nun aber war es heraus: Der Kriminalassistent Unger und ein Mitbesitzer der Werkstatthatten gemeinsame Sache gemacht, eine sogenannte „Kreuzlage“, und schließlich sollte auch der Kriminalkommissar Albrecht davon gewußt haben. Der Kriminaloberkommissar Hoberg (Dezernat „Betrug“) aber bat darum, lieber nach Tempelhof auf eine Außendienststelle, versetzt zu werden. Er sei ja mit Albrecht befreundet. Das war zu verstehen. Doch die große Blase, in die gestochen war, lief weiter aus. Im Dezember 1951 erreichte auch den Oberkommissar Hoberg der Verhaftungsbefehl.

„Die Berliner fanden es sehr erfreulich, daß Kriminaldirektor Linke niemanden schütze und sogar, wenn es sein müsse, die Sessel der Dezernenten leere. Das brachte ihm Sympathien. Aber es brachte auch den bitteren Ruf, daß in der Berliner Polizei die Korruption wie ein schleichendes Gift verbreitet sei. Es war ja ruchbar geworden, was alles den inzwischen verhafteten Polizeiangestellten zur Last gelegt werden mußte: Zusammenarbeit mit ausländischen Schmugglerringen...

Seit dem Augenblick, da die Stadt gespalten ist, sind diese Schmugglerringe die großen Geschäftemacher Europas. Der Kaffee und die unbanderolierten Zigaretten, die über die Ostsee in den sowjetischen Sektor schwimmen, die Dollars und Pfunde, die Devisen und Goldbestände: alles dies, das dann seine illegalen Wege nach Westdeutschland nimmt, gehört den Gruppen, die „Der Starke“ und „Der Aufständische“ heißen. Und es ist nun nachgerade kein Gerücht mehr, daß in der Berliner Kriminalpolizei Männer gesessen haben, die den Zigan Ribica, den Joan Holec und manchen anderen aus den dollarschweren Banden gekannt haben. Schweigegelder von 1000 Dollar – die Herren mit dem ausländischen Akzent konnten das zahlen...