Da läuft seit sieben Jahren (vielleicht aber auch schon sein ganzes Leben) ein Holzkaufmann namens Katz hinter den Musen her. Einmal glaubte er sie schon erreicht zu haben: das war im Januar 1948, als das Drama „Suter“ von Helmuth Michaud – dies ist der Dichtername von Herrn Katz – an den Städtischen Bühnen in Lübeck seine Uraufführung erlebte. Suter – so kann man es in jedem Lexikon nachlesen – war ein kalifornischer Kolonisator, der sich zum Kaiser von Kalifornien ausrufen ließ und auf tragische Weise ums Leben kam. – Das Stück, man konnte, es Anno 48 in Lübeck sehen, war eine schlechte, dilettantische Angelegenheit. Der Autor hatte, in jener Zeit, da wir alle noch andere Menschen werden wollten, sein poetisches Herz mit Holz zugleich kompensiert – will sagen: für große Mengen Holz ohne Holzschein, die er dem Stadttheater Lübeck lieferte, hatte er dort die Annahme seines Stückes erreicht. Das Stück fiel durch, und die Musen entschwanden.

Aber nun hat der Holzhändler Katz, sie zum zweiten Male am Zipfel ihres Gewandes gepackt: das Staatstheater Karlsruhe kündigt für den 8. Februar die Uraufführung desselben Dramas unter anderem Titel „Der ewige Fluch“ an. Weil man in Karlsruhe weiß, wie schlecht das Stück ist, bat man Alexander Golling, Bearbeitung, Regie und Hauptrolle zu übernehmen und man gab der Presse Informationen über die Vorgeschichte dieser Premiere. Das Stück sei längst vor der Währungsreform unter einer anderen Intendanz angenommen worden, weil man dafür – nun was wohl? – Holz bekam. Man sagt: Wir haben es geschoben, geschoben und geschoben (nicht das Holz, sondern das Stück), aber nun hat Katz durch einen Prozeß erreicht, daß wir unser Versprechen aus der RM-Zeit einlösen müssen ...

Freilich gibt es schlimmere Fehler, als den, ein Dichter sein zu wollen. Deshalb haftet dem Bemühen des Holzhändlers Katz (eines freundlichen grauhaarigen Mannes aus dem idyllischen Gernsbach im badischen Murgtal) trotz aller Penetranz etwas Rührendes an. Ob er je einsieht, daß sich die Musen von ihm nicht erjagen lassen?... P. Hühnerfeld