Darmstadt, Anfang Februar

Der sechsundzwanzigjährige Maurice Jarre, Hauskomponist von Jean Vilar in Paris, hatte eine Ballettmusik „Masque de femme“ komponiert, für die Ingeburg Niederberger eine Choreographie entwarf und die sie jetzt am Landestheater Darmstadt auch selbst zur Uraufführung brachte. Das Werk besteht aus vier Teilen: danse sacrée – danse profane – danse passionée – danse rituelle, die nur für Schlagzeuge und die elektroakustische Onde Martenot instrumentiert sind. Es ist eine sehr „moderne“, ebenso an den Zwölftönern wie an orientalischen Einflüssen geschulte Musik, aphoristisch zerfetzt, nur auf rhythmisch-expressive Wirkung bedacht, die aber vornehmlich doch bloß Geräuschkulisse sein will und kaum musikalisches Eigenleben beansprucht. Die Onde Martenot, von dem Pariser Gast Ginette Martenot gespielt, vermittelte dazu allerlei kuriose Töne, die immerhin für illustrative Zwecke geeignet sein können. Die Handlung, die das alte Penthesilea-Thema variiert, schildert den Einbruch eines Mannes in ein Frauenritual: die Anführerin verliebt sich zuerst in ihn, erwürgt ihn dann aber, und zuletzt schreitet und stampft das erneut einsetzende Ritual über beide hinweg. Die stärksten Eindrücke gingen von der Raumgestaltung des Bühnenbildners Franz Mertz aus, der die magisch-kultische Atmosphäre mit eindringlichen Mitteln zu stilisieren verstand.

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