Seitdem der englische Geistliche und spätere Geschichtslehrer Thomas Robert Malthus 1798 sein berühmtes Buch „Essay on the principle of population“ geschrieben hatte, in dem er den Nachweis zu erbringen versucht, daß die Bevölkerung der Erde sich schneller vermehre als die vorhandenen Nahrungsquellen (er fordert spätes Heiraten und Enthaltsamkeit, wenn der Lebensunterhalt für die Kinder nicht gesichert ist) schlief der Streit um diese Frage nicht mehr ein. Wellenbewegungen vergleichbar, haben Wissenschaftler und Praktiker in den seitdem vergangenen 150 Jahren einmal gefürchtet, daß die Menschheit eines Tages nicht mehr genügend zu essen haben würde, und zu anderen Zeiten, daß die vorhandenen Nahrungsmittel nicht abzusetzen seien.

Zu diesem interessanten Thema nahm der seit 15 Jahren in Amerika lebende und an der Stanford University in Kalifornien lehrende bekannte Agrarpolitiker Prof. Dr. Brandt vor dem Übersee-Club in Hamburg Stellung: Bei einer (geschätzten) Weltbevölkerung von 2,3 Mrd. Menschen könne mit einer jährlichen Zuwachsrate von 1 v. H. = 23 Mill. gerechnet werden, so daß also 1980 die Bevölkerung der Welt 3 Mrd. erreicht haben wird. Prof. Brandt sieht jedoch in diesem Umstand keinen Grund zur Beunruhigung, im Gegenteil: Geist und Technik des Menschen werden immer wieder in der Lage sein, die wachsende Bevölkerung der Erde zu ernähren. Er verwies dabei auf die Produktionssteigerung durch Erweiterung der Anbaufläche und intensivere Bearbeitung in der Vergangenheit. Bisher sind, so sagte Prof. Brandt, erst 7 v. H. der Landoberfläche der Erde landwirtschaftlich genutzt, die Tiere verwerten nur 10 v. H. der Energie des ihnen gebotenen Futters und nur 5 v. H. der Sonnenenergie werden genutzt. Bei dem derzeitigen Stand der Technik könnte viermal mehr (Boden bearbeitet werden, als es gegenwärtig, der Fall sei. Statt einer Geburtenkontrolle in übervölkerten Gebieten, wie Indien und China, schlägt Brandt vor, diesen Völkern intensive Bodenbearbeitung zu lehren. C. v. S.