Alle fünf Sekunden wird ein ro-ro-ro-Taschenbuch gekauft. Rowohlts fleißige Statistiker haben es ausgetüftelt; und die Probe aufs Exempel liefern die zwei Millionen Exemplare, in denen die ersten deutschen „Pocket-Books“ bis heute verbreitet sind. Einschließlich der beiden Doppelbände von A. J. Cronins „Zitadelle“ und Dreisers „Amerikanischer Tragödie“ ist ihre Sammlung jetzt auf 46 Nummern (die letzte, der „ro-ro-Ringelnatz“, eine Auswahl aus des großen Joachims Gedichten, war bereits am Tage der Auslieferung fast vergriffen) gediehen, ohne daß es bei ihnen sein Bewenden haben wird. Dies alles, obwohl noch nicht einmal zwei Jahre vergangen sind, seit uns in „ro-ro-ro“ ein neuer Typ des auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglichen, handlichen Buchs ausgesprochen literarischer Prägung beschert wurde. Daß es dabei nicht ohne die in jeden Band eingeblendete Zigaretten-Reklame abging, hat Widerspruch gefunden. Niemand vermochte indessen vorauszusagen, daß der Verlag solcher Reklame-Interieurs jetzt entraten könnte. Einer guten und wichtigen Sache haben die ro-ro-ro-Pockets trotzdem von Anfang an ungeschmälert gedient. Wie ihre amerikanischen Vorbilder haben sie sich im Dschungel der Kioske und Magazine als Vorposten der Literatur bewährt, die dem Interesse an dem ausgewachsenen, in Leinen gebundenen Ausgaben, die man sich für den Bücherschrank wünscht, keineswegs Abbruch tun, vielmehr im Gegenteil in breiteste Kreise hinein eine zusätzliche Werbekraft entfalten.

Wenn bei den deutschen „Pockets“ bis dato und vor anderem etwas mit Nachdruck zu bedauern war, so dies, daß sich mangels jeglicher Konkurrenz eine Art Monopol anbahnte. Insofern zumindest, als zwar nicht, hinsichtlich der Herkunft der in die ro-ro-ro-Reihe aufgenommenen Verlagswerke, aber doch bei ihrer Auswahl eine gewisse Einseitigkeit erkennbar blieb. Dem begegnet nun aufs glücklichste ein zweites Pocket-Book-Unternehmen, dessen Start wiederum in Hamburg erfolgt. Mitte März werden vom Christian Wegner Verlag die ersten sechs Bände der von ihm im Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit dem Verlag S. Fischer, Frankfurt, geschaffenen „Fischer Bücherei“ ausgeliefert, die sich in Format und Preis von ro-ro-ro nur geringfügig unterscheiden, jedoch in Aufmachung und Zuschnitt durch. ein unverkennbar eigenes Gesicht auszeichnen. Man wird an ihrer Spitze Thornton Wilders „Brücke von San Luis Rey“ und einem schon fast vergessenen, aber dank seiner Menschlichkeit an einen großen Leserkreis appellierenden Roman wie „Königliche Hoheit“ von Thomas Mann begegnen. Ferner Carl Zuckmayers Roman „Herr über Leben und Tod“ und weiteren Bänden von Stefan Zweig, Joseph Conrad, Pearl S. Buck. Vorgesehen sind Titel von Schnitzler, Werfel, Giono, Colette, André Maurois, James M. Cain – monatlich werden, von April an, je zwei Bände herauskommen, und bis August ist das Programm schon fertig.

Ein fruchtbarer Wettstreit zwischen der „Fischer Bücherei“ und „ro-ro-ro“ wird unvermeidlich sein. Der Leser kann davon nur profitieren. hgm.