Während die besorgten Blicke der Welt auf Korea und Indochina gerichtet sind, entwickelt lich in Burma ein neuer Krisenherd.

Neu Delhi Ende Januar

Als im Frühjahr 1950 die Armeen Tschiangkaischeks endgültig geschlagen waren, zog sich ein Teil der 93. Division, ohne zu kapitulieren, auf burmesisches Gebiet zurück. Dieses Kontingent, es handelt sich um etwa 10 000 Mann, befndet sich noch heute in jenem Gebiet Burmas, das weit in das chinesische Yunnan hineinragt. Der burmesischen Regierung ist die Tatsache, daß sich national – chinesische Truppen in ihrem Bereich befinden, nie sehr angenehm gewesen. Sie ist aber, da ihr Einfluß nie wesentlich über die Hauptstadt Rangun hinausreichte, gar nicht in der Lage, mit den 20 Bataillonen, die ihr zur Verfügung stehen, jene Eindringlinge zu vertreiben.

Bisher ist allerdings dieses Problem auch gar nicht akut geworden, teils, weil China andere Sorgen hatte, als sich mit diesen versprengten Kuomintang-Truppen zu befassen, teils, weil Nehru im Einverständnis mit dem burmesischen Ministerpräsidenten seiner Zeit eine Art Generalregdung mit Mao Tse Tung getroffen hat. Bei dieser Geheimabsprache ist offenbar Mao Tse Tung freie Hand in Tibet zugesichert worden unter der Bedingung, daß Burma der Einflußsphäre Indiens überlassen wird. In den letzten Monaten aber ist nun eine Wendung eingetreten. Und zwar deswegen, weil – und dies scheint keir Gerücht zu sein – jene Kuomintang-Truppen, die unter dem Befehl des Generals Li Mi in Burma stehen, ständig Nachschub aus Formosa erhalten. Dieser Nachschub ist – und auch dies scheint glaubwürdig – mit amerikanischen Waffen ausgerüstet und geht per Schiff bis Bangkok, und dann auf dem Landweg durch Siam nach Ostburma.

General Li Mi ist nach Taipeh geflogen, um dort Besprechungen mit Tschiangkaischek zu führen, was in ganz Ostasien der Anlaß zur Erregung und zahllosen Gerüchten ist. Besonders in Delhi ist man sehr beunruhigt über diese nicht vorhergesehene Entwicklung. Denn natürlich liegt. Nehru sehr viel an dem dauerhaften Bestand seiner Regelung mit Mao. Sollte aber tatsächlich Tschiangkaischek die Position in Ostburma dazu benutzen, einen Angriff auf das chinesische Festland vorzubereiten, so kann kaum erwartet werden, daß Mao Tse Tung zu seiner Zusicherung, Burma nicht anzutasten, stehen wird. Wüide aber der Staat Burma, dem jede Stabilität fehlt und der seit Jahren mit schweren inneren Auseinandersetzungen zu kämpfen hat, eines Tages kommunistisch, so würde die Situation für Indien zweifellos außerordentlich prekär.

B. J. Modi