Vom Bundesrat sind für den Bundesbahn-Verwaltungsrat nominiert worden die Herren: Dr. Kastner-Lippstadt, Dir. Oppermann-Bentheim, Minister Renner-Tübingen, Dr. G.Haindl-Augsburg und Senator a. D. Wenhold-Bremen.

Am 18. Dezember 1951 ist endlich das Gesetz für die Deutsche Bundesbahn in Kraft getreten, mit dessen Hilfe man die seit Jahren ungeklärten Verhältnisse bei dem größten deutschen Wirtschafts- und Verkehrsunternehmen in Ordnung zu bringen hofft. Zunächst muß sich nun der Verwaltungsrat konstituieren, dem – neben vielen anderen recht dringlichen „Sofortaufgaben“ – als wichtigste die zufällt, dem Bundesverkehrsminister vorzuschlagen, wer der Vorsitzende des (nunmehr aus vier Köpfen bestehenden) Vorstandes werden soll. Denn erst, wenn dieser ernannt ist, wird es möglich, auch die drei mit ihm gleichberechtigten Kollegen zu ernennen: da er, der primus inter pares, auch dazu zu hören ist. Und dann könnte man endgültig mit der Arbeit beginnen ...

Dem Bundesbahngesetz zufolge muß, der Verwaltungsrat innerhalb von drei Monaten (also bis zum 18. März) ernannt sein. Man darf wohl hoffen, daß die zuständigen Stellen sich diesmal an die gesetzlichen Vorschriften halten werden. Freilich hat man in dieser Hinsicht schon allerlei Überraschungen erlebt. – Erinnern wir uns doch daran, daß schon das im April 1948 verabschiedete „Aufbaugesetz“ die Schaffung eines Verwaltungsrates für die Eisenbahn angeordnet hatte, ohne daß man sich aber später im geringsten um diese bindende Vorschrift kümmerte. Vielleicht wären die Dinge für die Bundesbahn anders gelaufen, wenn rechtzeitig ein Verwaltungsrat „dagewesen“ wäre. Aber weder der „Direktor für Verkehr“ in der Zweizonenverwaltung, noch später der Bundesverkehrsminister dachten daran, dem Gesetze Genüge zu leisten, und auch der Verkehrsausschuß des Bundestages hat die Dinge treiben lassen. Es wurde „drauflosgewurschtelt“ und politisiert, nicht aber der Verkehr koordiniert, was so nötig gewesen wäre.

Das Interesse daran, im Verwaltungsrat vertreten zu sein, ist offenbar recht lebhaft; man hört von etwa 300 Bewerbungen, die bislang eingegangen sein sollen ... Nun wird darauf Bedacht zu nehmen sein, daß der Gruppenegoismus nicht den Verwaltungsrat monopolisiert. Unter diesem Gesichtspunkt sind die von den „Konkurrenz-Organisationen“ kommenden Kandidaten mit einigen Vorbehalten zu nennen: der Vertreter des Speditionsgewerbes etwa, Bundestagsabgeordneter Max Rademacher, Hamburg, oder Dr. Riensberg, Hamburg, von der Reederseite, auch Prof. Dr. Most, der sich in der Binnenschiffahrt einen Namen gemacht hat. Jeder der genannten Herren wäre für den Minister-Beirat „wie geschaffen“, der (unter dem Namen „Bundesverschaffen“, demnächst (also noch vor dem Bundeswirtschaftsrat) geschaffen werden soll. Aber gehören diese „Konkurrenten“ wirklich in den Bundesbahn-Verwaltungsrat? Die Gewerkschaften sollen Herrn Hatje und seinen Kollegen Rümmele vorgeschlagen haben, die beide als Eisenbahner große Erfahrungen besitzen; dazu wird vom Beamtenbund ein alter Eisenbahner aus Essen, Dominik, genannt. Vom Verkehrsminister sollen (angeblich auf Grund eines besonderen Abkommens mit den Gewerkschaften) noch zwei weitere Herren vorgeschlagen werden: einer von ihnen dürfte der Vorsitzende der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Kummernuss, sein. Auch die Namen vom Hoff, Dr. Agartz und Dr. Potthoff sind zu hören. Von der Industrie wird in erster Linie Generaldirektor Dr. Wellhausen (MAN-Nürnberg) genannt, der zugleich Bundestagsabgeordneter ist, ferner Baurat Martens-Wiesbaden; für den Handel käme Dr. Vaillant-Hamburg in Frage, für das Handwerk Präsident Uhlemeyer-Hannover oder auch Präsident Günther-Köln. Einer der offenen Punkte ist noch die Berufung des Finanzmannes. Daß in den Verwaltungsrat ein Finanzexperte hinein muß, dürfte selbstverständlich sein. Unter den seitens der Wirtschaft vorzuschlagenden Persönlichkeiten war er nicht unterzubringen. Die fünf Gruppen – Industrie, Handel, Verkehr, Handwerk und Landwirtschaft – mußten von sich aus vertreten sein. Ohne Zweifel liegt aber ein starkes Interesse der Bundesbahn an der Mitwirkung eines Finanzmannes vor. Es dürfte ratsam sein, eine Persönlichkeit in den Verwaltungsrat hineinzunehmen, die die finanziellen Bedürfnisse dieses größten deutschen Wirtschaftsunternehmens aus jahrelanger eigener Erfahrung kennt, also das zuständige Vorstandsmitglied der Bank deutscher Länder. Im Rahmen der Kabinettsvorschläge wird hierfür noch Raum sein. Außerdem verlautet aus Kreisen des Bundesrates, daß (nach Zusage des Bundeskanzlers) Min.-Rat Brandt, Düsseldorf, über die Kabinettsliste vorgeschlagen werden wird. Und schließlich erscheinen auf der Kandidatenliste noch zwei hohe Bundesbahnbeamte, mit deren Verabschiedung in diesem Jahre zu. rechnen ist: Präsident Gerteis, zur Zeit Stellvertreter des derzeitigen kommissarischen Generaldirektors (und einst Leiter des gesamten Eisenbahnwesens im „Generalgouvernement“). sowie der bisherige Generaldirektor der Südwestdeutschen Eisenbahnen, Georg Bauer. Hierzu wäre zu bemerken, daß dann im Verwaltungsrat als Vertreter der Bahn kein Finanz- oder Verwaltungsfachmann, auch kein Kenner des Personalwesens, kein „allroundman“, säße, sondern das ausschließlich Techniker dort vertreten wären. Man sieht deutlich „den Zug der Zeit“. Heute bereits stehen mit Seebohm, Frohne, Helberg und Gerteis vier Techniker an der Spitze. Ob das ganz das Richtige ist, dürfte bei aller Anerkennung der Leistungen unserer Techniker füglich bezweifelt werden.

Nun zu dem anderen wichtigen neuen Gremium der Bundesbahn: dem Vorstand. Wie zu erwarten war, macht die Auswahl der vier Männer große Schwierigkeiten. Als Kandidaten werden zur Zeit genannt: der Staatssekretär Professor Dr. Frohne; der Abteilungsleiter in der Bundesbahn-Hauptverwaltung Ministerialdirektor Dr. Pischel; der Direktionspräsident Dr. Schelp, Hamburg und seine Kollegen aus Wuppertal und Karlsruhe, M. Jacobshagen und Dr. Eisele. Gute Chancen hat auch der frühere hessische Finanzminister Hilpert, der Prof. Frohne (nicht nur landsmannschaftlich ...) nahesteht. Auf dem Posten des Sozialdirektors sähe man gern den stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner, Hatje, dessen sachliches Urteil geschätzt wird. – Daß Undank der Welt Lohn ist, muß der derzeitige kommissarische Generaldirektor der Bundesbahn, Dr.-Ing. e. h. Walter Helberg, erfahren: sein Name wird nur noch am Rande erwähnt.

Ausländische Kenner und Freunde der Bundesbahn vermissen zwei Namen: Prof. Dobmaier und Ministerialdirektor Wetzlar, zwei der wenigen tatsächlich international bekannten (und anerkannten) deutschen Eisenbahner.Auch andere Namen von Rang fehlen in den bisher bekannten „Kandidatenlisten“. Wenn nicht noch, vielleicht in Gestalt eines maßgebenden Bundestagsabgeordneten, ein deux ex machina eingreift, wurden wohl einige besonders wertvolle Kräfte aus der Arbeit für die Bundesbahn ausgeschaltet bleiben. K./B.