Das wochenlange Tauziehen um die Frage, ob die staatseigenen Howaldts-Werke AG., Hamburg und Kiel, verkauft werden sollen oder nicht (vergl. auch „Die Zeit“ vom 10. Januar), ist einen Schritt weitergekommen: der hamburgisch? Senat hat offiziell den Bundesfinanzminister von seiner ablehnenden Stellungnahme unterrichtet. Man lehnt in Hamburg nicht, wie es vom Hoff für den DGB tat, den Verkauf von Staatseigentum überhaupt ab, sondern ist gegen die Abgabe eines Aktienpaketes an ausländische Interessenten. Der Senat bezweifelt, daß die Interessen der deutschen Schiffahrt auch bei überwiegender Besetzung der Gesellschaftsorgane mit Deutschen gewahrt werden können, er fürchtet, daß die Aktien unter ihrem tatsächlichen Wert verkauft werden, verlangt, daß die ausländischen Käufer sich verpflichten, für zehn Jahre die von den deutschen Reedereien nicht belegte Baukapazität der beiden Werftbetriebe voll auszunutzen, und daß die ausländischen Käufer außer dem Kaufpreis langfristige Investitionen von mindestens 15 Mill. DM in Dollar oder Sperrmark vornehmen. Endlich wünscht der Senat, wenn verkauft wird, einen 1949 aus hamburgischen Haushaltsmitteln an die Howaldts-Werke gegebenen Staatskredit zurückzuerhalten und weist darauf hin, daß der Wiederaufbau von Blohm & Voss ein Anlageobjekt für ausländisches Kapital sei.

Die Stellungnahme des Senates ist leider recht unbefriedigend: einerseits wünscht man mit Recht den Wiederaufbau von Blohm & Voss, der laut Zusage des Finanzministers aus dem Erlös des Aktienverkaufes der Howaldts-Werke anfinanziert werden könnte, andererseits stellt man sich gegen den Verkauf der Howaldts-Aktien. (Es ist bisher nichts bekanntgeworden, daß genügend deutsche Interessenten da sind, um die Howaldts-Aktien ganz zu übernehmen.) Der Hinweis, daß das ausländische Kapital Blohm & Voss direkt mit aufbauen soll, ist wenig wirklichkeitsnah, denn es ist sehr unwahrscheinlich, daß der ausländische Geldgeber ein Unternehmen finanziert, von dem er nicht weiß, ob es für die derzeitige Weltschiffbaukonjunktur noch zum Zuge kommt. Dieser Wiederaufbau liegt vornehmlich in deutschem Interesse und wäre indirekt gut möglich.

Grundsätzlich aber sollte man es ausländischem Kapital. durch zahlreiche Wünsche und Klauseln nicht zu schwer machen, nach Deutschland zu kommen. Es könnte ja immerhin der Fall eintreten, daß die langsam einsetzende Investitionsneigung „drüben“ dadurch so geschwächt wird, daß das Hin und Her um die Howaldts-Aktien auch auf andere Projekte lähmend wirkt. v. S.