– Nach der Zurückhaltung gegen Ende der letzten Berichtswoche (23. bis 25. Januar), die zu Kursreduktionen führte, begann die Börse am Montag (25. Januar), besonders für Montanwerte, in freundlicher Tendenz. Die Nachricht von der Einsetzung eines französischen Botschafters im Saargebiet und Gerüchte über eine bevorstehende £-Abwertung führten jedoch im weiteren Verlauf zu abbröckelnden Kursen. Diese lustlose Haltung setzte sich auch am Dienstag (26. Januar) und Mittwoch fort. Das Geschäft blieb ruhig, dennoch war die Grundstimmung im ganzen gesehen nicht unfreundlich. Nachdem die schlechten außenpolitischen Nachrichten „verdaut“ waren, wurde das Geschäft in der zweiten Hälfte der Woche bei zunehmend festerer Tendenz erheblich lebhafter. Besonders die Aktien der Vereinigten Stahlwerke profitierten von dieser guten Tendenz und schlossen mit 229 (+15). Man schätzt die Substanz dieses Unternehmens, dessen innere Reserven erheblich sind, auf 1,5 Mrd. DM.

Die feste Tendenz setzte sich zu Beginn der vergangenen Woche (4. bis 8. Februar) fort. Die Kurse für Aktien der Mannesmannröhren-Werke zogen besonders an, nachdem bekanntgeworden war, daß das Mannesmann-Paket fest placiert sei. Auch die Großbank-Aktien wurden von der wachsenden Geschäftsfreudigkeit erfaßt. Die Umsätze für Deutsche-Bank- und Dresdner-Bank-Aktien, besonders an der Frankfurter Börse, waren beträchtlich. Hier sind neuerlich verstärkte Erwartungen auf eine Heranziehung der Inneren Reserven der alten Großbanken für die Kapitalausstattung der neuen Institute zu beobachten: Wie man hört, sind diese Frage und die damit verbundenen steuerlichen Überlegungen noch nicht entschieden.

Auch am Dienstag (5. Februar) war die Tendenz für Montan – und Bankaktien weiter fest. Dann kam es jedoch, durch die außenpolitischen Probleme bedingt, in den darauffolgenden Tagen zu weitgehender Geschäftslosigkeit. Montanwerte und Banken zeigten sich bei lustloser Haltung leicht abgeschwächt. Auf dieses ermäßigte Kursniveau liefen erneut zahlreiche Kauforders ein, die am letzten Börsentag zu einer Erholung der Montanaktien führten. Besonders Hoesch-Aktien waren gefragt und bis zum Schluß fest. Am Sonnabend wurden im Telephonverkehr für Hoesch Kurse genannt, die etwa 4 v. H. über den Schlußkursen des Freitags lagen (214). Von diesem Unternehmen wird nämlich in diesen Tagen die Veröffentlichung der Bilanzzahlen in DM erwartet. Auch Großbankenwerte waren gefragt. Der Kurs für Dresdner-Bank-Akien zog bis auf an. An den übrigen Märkten blieben die Umsätze jedoch verhältnismäßig klein.

Seit vielen Monaten bilden die Montane das Hauptgespräch an der Börse. Es sieht nicht danach aus, als ob dieses Gesprächsthema bald abtreten würde. Rendite auf der einen und Substanz auf der anderen Seite sind die Schlagworte. Was auf dem Montanmarkt vorgeht, ist nicht nur unter dem Gesichtspunkt überlieferter Kursentwicklung außergewöhnlich, sondern auch unter dem Blickpunkt wirtschaftlicher Vorgänge. Große Unternehmungen werden „auseinandergelegt“, de Teile neu bewertet nach neuen Maßstäben, die ebenfalls ohne kontinuierliche Verbindung zu den Bewertungsvorstellungen der alten RM-Bilanzen sind. Die nun herauskommenden Zahlen z. B. beim Klöckner-Konzern von etwa 350 Mill. DM lassen theoretisch gesehen eine Umstellung in DM von 1:3 als möglich erscheinen, eine Umstellung von 1:2 als wahrsheinlich und gerechtfertigt. Eine Umstellung von 1:2 würde bein heutigen Kursstand der Klöckner-Aktie etwa einen Kurs von 115 in DM-Prozenten bringen, der im Verhältnis zu den Kursen der übrigen Aktienwerte und unter Berücksichtigung der starken Ertragskraft des Klöckner-Unternehmens nicht als überhöht bezeichnet werden kann. Ähnlich verhält es sich bei den anderen Montan-Konzernen, die zur Auflösung heranstehen. Man muß sich also in jeder Weise hüten, der durch die Zahl bedingten Vorstellung zu erliegen. Ein Papier, dessen Paribewertung nach der DM-Umstellung etwa 30 v. H. wäre, braucht bei einem Kursstand von 50 v. H. schließlich nicht „billig“ zu sein, und ein Papier, dessen Kurs z. B. 200 v. H. beträct, kann durchaus „billig“ sein. W. H. B.