Rlt., Düsseldorf, im Februar

Viele Mitglieder jener deutschen Delegation, die Ende vorigen Jahres zum Internationalen Industriellen-Kongreß in den USA weilten, berichten in kleineren oder größeren Freundes- oder Geschäftskreisen über ihre dortigen Gespräche und Erfahrungen. Es darf wohl gesagt werden, daß ausnahmslos die offene und „selbstverständliche“ Art gelobt wird, mit der die Deutschen drüben als Gäste empfangen und aufgenommen worden sind. Solche durchaus ehrlich gemeinten Lobreden über die Amerikaner von jenseits des Großen Teiches sind zu begrüßen, weil die vielen bedauerlichen Erinnerungen an die immer noch nicht beendete aktive Politik mancher „Berater“ hier bei uns das deutsch-amerikanische Verhältnis nachhaltig beeinflussen. Die Delegationsmitglieder versichern, daß von diesem Morgenthau-Klima drüben nichts zu spüren gewesen sei. Im Rhein-Ruhrgebiet sind die deutschen Delegationsmitglieder bei den Erzählungen aber auf Skepsis gestoßen. Es hat zuweilen den Anschein, als ob die bisherige Verstimmung in ihr Gegenteil verkehrt worden sei und ob dadurch die erforderliche Nüchternheit der Tagesatmosphäre gegenüber zurückgedrängt werde.

Leider waren in den letzten Wochen gerade wieder einige Ereignisse zu verzeichnen, die diese Skepsis rechtfertigen. Es sei daran erinnert, daß Mr. Bowie zwar aus der deutschen Front herausgezogen, aber in höhere und einflußreichere Positionen der Etappe versetzt wurde, daß die jüngsten Veröffentlichungen zum Gesetz 27 praktisch neue (Behinderungen bringen und daß Westdeutschland trotz Schumanplan an die OEEC-Konvention von 1949 gebunden sei. Hier heißt es – was doch wohl die zwar bedeutende, aber auch bedingte Investitionsfreiheit des Schumanplanes weitgehend aufhebt – daß die Montanindustrie keine Investition ohne Genehmigung der OEEC vornehmen darf, wenn sie höher als 500 000 Dollar liegt. Wir erinnern weiter an die jüngsten Presseäußerungen, denen zufolge bereits über das Wie des getarnten Weiterbestehens der Kontrollgruppen offen diskutiert wird.