Wozu eine Spielbank nütze ist, vermag, außer dem Besitzer, wahrscheinlich nur der Vorsteher des benachbarten Finanzamtes zu sagen. Dieser Auffassung scheinen auch 61 Abgeordnete der CDU zu sein, die im Bundestag beantragt haben, den Paragraph 284 des Strafgesetzbuches wieder auf den alten Stand zu bringen: „Wer öffentlich ein Glückspiel veranstaltet oder hält oder die Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Die Spielbankfrage hat in diesen Tagen eine besondere Aktualität durch den Prozeß gegen den Hamburger Heuerbaas Brandt erhalten, der wegen der Veruntreuung einer halben Million DM für fünf Jahre ins Gefängnis ging. Brandt erklärte vor Gericht, er habe das Geld in der Travemünder Spielbank verloren. Dies veranlaßte die Spielbank, eine Pressekonferenz einzuberufen und den Nachweis zu. versuchen, daß: Brandt das Geld nicht in Travemünde verspielt haben könne, daß die Spielbanken in Wirklichkeit höchst soziale und nützliche Einrichtungen seien und daß ihre Umsätze im Vergleich zu denen des Fußballtotos bescheiden seien. Dabei erfuhr man, daß die Bruttospielerlöse der neun Spielbanken der Bundesrepublik im Jahre 1951 fünfundzwanzig Millionen betrugen, wovon etwa 70 v. H. an Steuern und Abgaben abgeführt wurden. Da die Travemünder Spielbank im Geschäftsjahr 1950/51 Bruttospielerlöse von 4,37 Millionen DM eingenommen habe – so argumentierte die Geschäftsleitung –, müßte der Heuerbaas Brandt als einziger unter 180 000 Besuchern 10 v. H. der Gesamteinnahmen der Bank verspielt haben, was unmöglich sei.

Diese Darstellung ist jedoch geeignet, in der Öffentlichkeit Mißverständnisse hervorzurufen. Was die einzelnen Spieler in der Spielbank verlieren, das findet sich keineswegs vollzählig nach Geschäftsschluß in der Spielbankkasse wieder. Die Gewinnchance der Bank beim Roulette beträgt vielmehr nur einen, kleinen Bruchteil, wahrscheinlich ein Siebenunddreißigstel des Umsatzes, die anderen sechsunddreißig Siebenunddreißigstel gehen von der Tasche des einen Spielers in die des anderen. Dies ist die statistische Chance; sie mag für die Bank um eine Kleinigkeit besser sein, weil die Spieler nervös sind, die Bank aber nicht. Jedenfalls muß man damit rechnen, daß die Umsätze 25- bis 30mal höher als die Bruttospielerlöse sind. So betrachtet, halten aber die Umsätze der neun Spielbanken den Vergleich mit den 350 Millionen des Fußballtotos sehr gut aus, der außer-, dem noch den Vorteil hat, daß es bei ihm um kleine Beträge geht. Infolgedessen würde eine Statistik zeigen, daß die Spielbanken unvergleichlich viel mehr moralischen Schaden anrichten als der Toto, ganz besonders in der Nähe von Millionenstädten. Die Versuchung, in die eigene, oder in eine fremde Kasse zu greifen, um innerhalb einiger Stunden reich zu werden und dann das Geld zurückzugeben, ehe jemand etwas bemerkt hat, ist eben zu groß. Der Steuerertrag kann das nicht aufwiegen, er ist auch viel zu gering, wenn nur ein Dreißigstel der Umsätze zur Versteuerung überhaupt erfaßt werden kann, während der Toto seinen ganzen Umsatz versteuerte Daher hat nicht das Spielkasino von Travemünde recht, das sich als eine soziale Einrichtung ansieht, sondern es haben die Abgeordneten der CDU recht, welche die Spielkasinos verbieten wollen. A.