Frankreich hat die Importliberalisierung fast vollkommen beseitigt und darüber hinaus die ausstehenden Importlizenzen für ungültig erklärt. Gleichzeitig verkündet Ministerpräsident Faure, das handelspolitische Ziel Frankreichs sei die Herstellung der Konvertibilität seiner Währung. Er wies dabei auf den Stahl-Kohle-Pool hin, dem nun „ein Währungs-Pool“ zu folgen habe. Zur gleichen Zeit ist Frankreich in einem begrenzten Bereich seines Außenhandels – bei einigen Dollarexporten – zu jener Kursdifferenzierung übergegangen, die man mit der Abwertung überwunden glaubte. Die Gerüchte über eine neue Franc-Abwertung wollen nicht verstummen. Als Ausweg aus der Franc-Krise wird bereits ein psychologisches Rezept empfohlen: der Übergang zu einer neuen Währung unter gleichzeitiger Beendigung des inflatorischen in den Augen der breiten Masse unwürdigen Zustandes, in welchem die Währungseinheit, der Franc, nur eine Kaufkraft von etwas über einen Pfennig hat.

Unter diesen Umständen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, das Bekenntnis zur Konvertibilität sei nur ein Lippenbekenntnis gewesen, möglicherweise getan im Hinblick auf die Dollarhilfe. Denn der Währungspool, die Konvertibilität, wäre ein Schritt über die planwirtschaftliche Poolung hinaus. Zusammen mit der Liberalisierung würde die Konvertibilität die Poolung von einzelnen Abschnitten der Volkswirtschaften unnötig machen. Aber der Schuman-Plan mit seinem Grundstoff-Pool ist in den Augen der USA der große Beitrag Frankreichs an Europa. Zumindest möchten die Franzosen, daß die Amerikaner ihn so sehen. Deswegen die rhetorische Brücke vom Stahl-Kohle-Pool zur als „Währungs-Pool“ bezeichneten Konvertibilität.

Aber nicht nur formale Einwände sind gegen Frankreichs neue handelspolitische Rezepte zu erheben. Auch die reale Voraussetzung für eine reibungslose Konvertibilität des Franc mit anderen Währungen, die Stabilität der Kaufkraft, fehlt. Frankreich müßte erst, mit oder ohne Franc, die derzeitige Labilität überwinden. H.