Deutsch-Wagram ist ein kleiner Ort, der an eine große Schlacht gemahnt. Er liegt in der Sowjetzone Österreichs und wird von einer russischen Garnison gegen allfällige Übergriffe der westlichen Imperialisten geschützt. Das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Besatzung war hier lange Zeit wesentlich besser als anderswo. Die Einwohner sprachen lobend von „unseren Russen“ und meinten damit, daß es „gute Russen“ seien.

Vor kurzem erfuhr man nun, daß die russische Garnison in Deutsch-Wagram ausgewechselt werden solle, und da die Österreicher, wie alle, die viel mitgemacht, jedem Wechsel mit Mißtrauen gegenüberstehen, herrschte ob dieser Nachricht große Betrübnis. Am Vorabend des Auszuges gab es für die reisefertigen Soldaten mehr als eine Abschiedsfeier. So soll Besatzung sein. Am Tage des Auszuges aber begann, ebenso unverhofft wie plötzlich, die Plünderung „Marke 1945“. So soll Besatzung nicht sein.

Unter dem Eindruck des Entrüstungssturmes, den diese neue Schlacht von Deutsch-Wagram in ganz Österreich verursachte, haben sich die Sowjets inzwischen entschlossen, der Forderung nach Schadenersatz zu entsprechen. Dennoch glaubt man heute in Wagram, daß es wohl doch keine „guten Russen“ gewesen sein können. Aber man meint auch, daß es für die Russen wohl keine „guten Österreicher“ gäbe, es seien denn die ausgeplünderten. H. M. W.